Nachlassendes Gedächtnis: keine Wirkung von Spermidin

Juli 2022

Sper­midin ist eine lebens­wichtige Sub­stanz, die mit einer Reihe von Lebens­mitteln auf­ge­nommen wird, aber auch vom Körper selbst und von Darm­bak­terien gebildet wird. Intensive For­schungs­ar­beiten der ver­gan­genen Jahre haben gezeigt, dass Sper­midin viel­fältige positive Aus­wir­kungen auf die Gesundheit besitzt. Damit stellt sich die Frage, ob eine erhöhte Auf­nahme über Prä­parate bzw. Nah­rungs­er­gän­zungs­mittel gesund­heit­liche Vor­teile mit sich bringt. Während dies bei Tieren offenbar der Fall ist – bei vielen Orga­nismen geht eine erhöhte Auf­nahme übrigens auch mit einem lebens­ver­län­gernden Effekt einher – können in Bezug auf den Men­schen noch keine defi­ni­tiven Schlüsse gezogen werden.

Die im Tier­reich beob­ach­teten posi­tiven Effekte betreffen unter anderem das Ner­ven­system und das Gehirn. Fliegen und Mäuse wurden durch Zusätze von Sper­midin in Futter bzw. Wasser leis­tungs­fä­higer. Erste Unter­su­chungen lie­ferten Hin­weise, dass Men­schen mit einem sub­jektiv emp­fun­denen Nach­lassen ihrer geis­tigen Leis­tungs­fä­higkeit eben­falls von einer ergän­zenden Auf­nahme von Sper­midin pro­fi­tieren könnten.

Nun liegen die Ergeb­nisse einer grö­ßeren Studie vor, die diese Hin­weise aller­dings nicht bestä­tigen können. Ein­be­zogen in die Studie waren 100 Per­sonen zwi­schen 60 und 90 Jahren, die ihre geis­tigen Fähig­keiten geringer als früher emp­fanden. Sie erhielten ein Jahr lang ein Sper­mi­din­prä­parat aus Wei­zen­keimen in einer täg­lichen Dosis von 0,9 Mil­li­gramm Sper­midin. Die Kon­troll­gruppe erhielt ein Placebo. Die Studie war kon­trol­liert, das heißt, weder Pro­banden noch Betreuer wussten um den Inhalt der Kapseln Bescheid. 89 Prozent der Teil­nehmer schlossen die Studie ab.

Spermidin: Fragen bleiben offen

Das wich­tigste Stu­di­enziel war die Gedächt­nis­leistung bezogen auf Bild­in­halte – und dabei konnte nach einem Jahr kein Unter­schied zwi­schen der Spermidin- und der Kon­troll­gruppe fest­ge­stellt werden. Auch bei anderen Mess­größen waren keine Unter­schiede zwi­schen den Gruppen vor­handen, etwa beim ver­balen Gedächtnis, der Auf­merk­samkeit, der Steuerung und Kon­trolle von Bewe­gungen in Zusam­menhang mit Sinneseindrücken.

Eine Ursache für das Aus­bleiben einer Sper­mi­din­wirkung wird von den Stu­di­en­au­toren in der geringen Dosierung ver­mutet. Die Dosis von etwas weniger als einem Mil­li­gramm ent­spricht einer 10-​prozentigen Erhöhung der in Indus­trie­ländern durch­schnittlich auf­ge­nom­menen Menge, und dies könnte für eine Beein­flussung der geis­tigen Leis­tungs­fä­higkeit zu wenig sein. Eine andere Ursache könnte laut Autoren bei den Stu­di­en­teil­nehmern zu finden sein, die zwar ein gewisses Nach­lassen ihrer Fähig­keiten fest­ge­stellt hatten, im Grund genommen aber gesund waren. Bei Per­sonen mit tat­säch­lichen Sym­ptomen einer Demen­z­er­krankung wie Alz­heimer könnten even­tuell stärkere Effekte erwartet werden. Jeden­falls sind weitere Studien erfor­derlich, um diese Fragen zu klären.

 

Red./KG

 

Quellen:

Uni­vadis; Schwarz C et al. Effects of Sper­midine Sup­ple­men­tation on Cognition and Bio­markers in Older Adults With Sub­jective Cognitive Decline – A Ran­do­mized Cli­nical Trial. JAMA Netw Open 2022; 5: e2213875

 

 

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