Essstörungen bei Männern: Gar nicht so selten

Juni 2022

Wenn von Ess­stö­rungen die Rede ist, denkt man vor allem an mager­süchtige Frauen und Mädchen. Das stimmt aber nur bedingt. Neuere Unter­su­chungen zeigen nämlich, dass immerhin 25 bis 30 Prozent der Dia­gnosen Männer betreffen, weiß Univ.-Prof. Dr. Barbara Mangweth-​Matzek von der Uni­ver­si­täts­klinik für Psych­iatrie II in Innsbruck.

Im Prinzip sind die Sym­ptome bei Männern und Frauen gleich. Bei der Mager­sucht (Ano­rexie) wird bis zu einem gesund­heits­ge­fähr­denden Unter­ge­wicht gefastet und man hält sich noch immer für zu dick. Dass es sich dabei um eine gefähr­liche Erkrankung handelt, wird nicht akzeptiert.

Sixpack trotz Essstörung

Ein wesent­licher Unter­schied betrifft das Ziel kör­per­lichen Trai­nings. Mädchen und Frauen betreiben zwar häufig auch über­mäßig Sport, aber um Kalorien abzu­bauen. Männer tun dies um der Muskeln willen. Der Wasch­brett­bauch ist das ulti­mative Ziel, das mit exzes­sivem Training und spe­zi­eller Diät erreicht werden soll. Häufig wird mit Nah­rungs­er­gän­zungs­mitteln nach­ge­holfen, die von beschei­denem gesund­heit­lichem Nutzen, wenn nicht gar schädlich sind.

Homo- und bise­xuelle Männer sind häu­figer betroffen als hete­ro­se­xuelle Männer. Während man davon ausgeht, dass 2–8 % der Männer mit homo­se­xu­eller Ori­en­tierung an einer Ess­störung leiden, dürften es bei hete­ro­se­xu­ellen Männern 0,3–2 % sein.

Hilfe selten gesucht

Männern mit einer Ess­störung fällt es noch schwerer als Frauen, Hilfe zu suchen. Zur Ver­leugnung der Krankheit und den Scham­ge­fühlen kommt bei Männern noch der Umstand, dass es sich um ein in der all­ge­meinen Wahr­nehmung als „typische Frau­en­krankheit“ bezeich­netes Leiden handelt. Es erfordert daher viel Ein­fühl­samkeit und Empathie von Ange­hö­rigen und Freunden, die Betrof­fenen auf ihre Erkrankung anzu­sprechen und sie dazu ermu­tigen, Hilfe durch Ärzte und The­ra­peuten in Anspruch zu nehmen.

Informationen & Hilfe

 

Red./KG

 

Lite­ratur:

Mangweth-​Matzek Barbara: Her­aus­for­derung Gender und Ess­stö­rungen: Ess­störung ist nicht (nur) weiblich. Psy­cho­the­rapie im Dialog 2022; 23(01): 34–37

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