Vitamin D gegen COVID-19?

Feber 2021 | Easy Reading, online only

Nach Sichtung und Analyse der seit Beginn der Pan­demie ver­öf­fent­lichten Studien kommen Experten der Deut­schen Gesell­schaft für Ernährung (DGE) zu dem Schluss, dass derzeit keine pau­schale Emp­fehlung für eine Vitamin-​D-​Supplementierung in Hin­blick auf eine SARS-​CoV-​2-​Infektion oder COVID-​19-​Erkrankung gegeben werden kann.

Der even­tuelle Nutzen von Vitamin D in der Prä­vention und Behandlung von COVID-​19-​Erkrankungen wird derzeit intensiv dis­ku­tiert. Die Deutsche Gesell­schaft für Ernährung (DGE) hat die mit Stand 11. Jänner 2021 dazu vor­lie­genden Studien, die seit Beginn der Pan­demie ver­öf­fent­licht wurden, gesichtet und analysiert.

Neben den zen­tralen Funk­tionen für die Kno­chen­ge­sundheit hat Vitamin D auch regu­la­to­rische Effekte auf das Immun­system. Die aktuelle Stu­di­enlage lasse laut DGE zwar tat­sächlich einen poten­zi­ellen Zusam­menhang zwi­schen einem nied­rigen Vitamin-​D-​Serumspiegel und einem erhöhten Risiko für eine SARS-​CoV-​2-​Infektion bzw. für einen schweren COVID-​19-​Verlauf ver­muten, die Ergeb­nisse reichten jedoch nicht aus, um eine ein­deutige Ursache-​Wirkungs-​Beziehung nach­zu­weisen. Pau­schal könne daher keine Emp­fehlung für eine Vitamin D‑Supplementation gegeben werden, um einer SARS-​CoV-​2-​Infektion vor­zu­beugen oder den Schwe­regrad einer COVID-​19-​Erkrankung zu ver­ringern. Dies würde durch Aus­sagen anderer Fach­in­sti­tu­tionen wie des Bun­des­in­stituts für Risi­ko­be­wertung (BfR) oder des Robert Koch-​Instituts (RKI) gestützt.

Die Häu­figkeit einer unzu­rei­chenden Ver­sorgung mit Vitamin D in Deutschland sei jedoch hoch. Gerade in den Win­ter­mo­naten reiche die UVB-​Strahlung für die Vitamin-​D-​Synthese in der Haut nicht aus. „Eine Sup­ple­men­tation von Vitamin D in Höhe des Refe­renz­werts von täglich etwa 20 µg (800 IE) kann daher zur Sicher­stellung eines adäquaten Vitamin-​D-​Status erfor­derlich sein. Unter der Vor­aus­setzung, dass ein kau­saler Zusam­menhang besteht, hätte ein adäquater Vitamin-​D-​Status einen prä­ven­tiven Effekt auf das Risiko einer SARS-​CoV-​2-​Infektion bzw. eines schweren COVID-​19-​Verlaufs“, sagt Prof. Dr. Jakob Lins­eisen, Prä­sident der DGE.

Bei Per­sonen mit adäquatem Vitamin-​D-​Status von ≥ 50 nmol 25(OH)D/l im Serum sei bisher nicht jedoch nach­ge­wiesen, dass die Ein­nahme eines Vitamin-​D-​Präparates einen dies­be­züg­lichen Zusatz­nutzen habe. Eine andau­ernde Über­do­sierung mit Vitamin-​D-​Präparaten (>100 µg/​Tag) sei unbe­dingt zu ver­meiden, da sie zu uner­wünschten Neben­wir­kungen wie Nie­ren­steinen, Nie­ren­ver­kal­kungen sowie Stö­rungen des Herz-​Kreislauf-​Systems führen könne.

Grund­sätzlich emp­fiehlt die DGE eine adäquate Ver­sorgung mit Vitamin D am besten durch die kör­per­eigene Bildung durch Son­nen­be­strahlung und über die Ernährung zu erreichen. Wenn das nicht aus­reicht, sollten täglich Vitamin-​D-​Präparate in Höhe des Refe­renz­wertes (20 µg/​Tag) ein­ge­nommen werden. Höhere Dosie­rungen sollten nur unter ärzt­licher Kon­trolle und unter Berück­sich­tigung des indi­vi­du­ellen Vitamin-​D-​Status erfolgen.

Red/​K. Gruber

 

Quelle:

Deutsche Gesell­schaft für Ernährung e. V., www.dge.de