Zink – Funktion, Physiologie und Bedarf

März 2021 | DFP-Literaturstudium, Fachlich-Sachlich

Das essen­zielle Spu­ren­element Zink ist im mensch­lichen Orga­nismus weit ver­breitet und befindet sich in erster Linie im Intra­zel­lu­lärraum. Zink ist an einer Vielzahl bio­che­mi­scher und phy­sio­lo­gi­scher Reak­tionen beteiligt. Auf­grund des Fehlens aus­ge­prägter Speicher ist eine regel­mäßige Zufuhr not­wendig. Ali­mentär bedingte Zink-​Mangelzustände treten relativ häufig auf und betreffen besonders Kinder und ältere Menschen.

Bestand und Verteilung im Organismus

Der Gesamt­gehalt von Zink im mensch­lichen Orga­nismus beträgt 2 bis 4 g, davon sind 95% intra­zel­lulär loka­li­siert. Der Zink-​Gehalt ein­zelner Organe und Gewebe ist sehr unter­schiedlich (siehe Tab. 1). Der meta­bo­lisch aktive Zink-​Pool befindet sich in der Leber und im Plasma. Im Plasma ist Zink haupt­sächlich an Albumin gebunden, eine kleine Fraktion liegt in ioni­sierter Form vor. Die extra- und intra­zel­luläre Pro­te­in­bindung von Zink kann die Ver­füg­barkeit sowohl fördern als auch ver­mindern. Eigent­liche Zink-​Speicher liegen im mensch­lichen Orga­nismus nicht vor, eine regel­mäßige Zufuhr ist daher erforderlich.

Enterale Resorption

Die enterale Resorption von Zink kann grund­sätzlich in allen Abschnitten des Dünn­darms erfolgen, spielt sich jedoch haupt­sächlich im Jejunum ab. Bei den mit der Nahrung übli­cher­weise zuge­führten Zink-​Mengen ist die Resorption ein aktiver Transport, bei hohen Zink-​Mengen kann eine passive Dif­fusion dazu­kommen. Die Resorp­ti­onsrate kann in weiten Grenzen vari­ieren, bei Mischkost und gutem Ver­sor­gungs­zu­stand wird mit einer Resorp­ti­onsrate von 20 bis 40% gerechnet. Bei nied­riger Zink-​Zufuhr und hohem Bedarf kann die frak­tio­nelle Zink-​Resorption bis zu 90% ansteigen. Ein­fluss auf die enterale Zink-​Resorption haben die Liganden, der Zink-​Status, der intra­zel­luläre Transport und die endogene Zink-Sekretion.

Bei hohem Zink-​Status zum Bei­spiel geht die enterale Zink-​Resorption zurück. Während der Darm­passage wird Zink von seinen Nah­rungs­li­ganden gelöst und an nie­der­mo­le­kulare Liganden wie z.B. His­tidin, andere Ami­no­säuren oder an Metal­lothionein gebunden, wodurch Zink für die Mikro­villi ver­fügbar gemacht wird. Die Bindung an Metal­lothionein erklärt die Beein­träch­tigung der Zink-​Resorption durch andere zwei­wertige Metalle wie Eisen, Kupfer oder Cadmium. Bei­spiele für Inter­aktion von Zink mit anderen Metallen zeigt die Tabelle 2. In der Tabelle 3 sind endogene und exogene Ein­fluss­fak­toren auf die enterale Zink-​Resorption über­blicks­mäßig dargestellt.

Interaktion von Zink

Regulation des Zink-Stoffwechsels

Da mit Aus­nahme des Kno­chens nur wenig Zink gespei­chert werden kann, hängt die Auf­recht­erhaltung des Stoff­wech­sel­gleich­ge­wichts für Zink in erster Linie von der Abstimmung zwi­schen der ente­ralen Auf­nahme, der Aus­scheidung im Stuhl und im Harn ab. Zink im Stuhl stammt einer­seits aus der Nahrung und ande­rer­seits aus den gastro-​intestinalen Sekreten, die wie z.B. das Pan­kre­as­sekret beträcht­liche Mengen an Zink ent­halten können. Zink weist einen entero-​hepatischen Kreislauf auf. Die enterale Zink-​Ausscheidung kann innerhalb bestimmter Grenzen an die Zufuhrhöhe ange­passt werden. Länger anhal­tende Diar­rhoen und Mal­ab­sorp­ti­ons­zu­stände können relativ bald zu einer Nega­ti­vierung der Zink-​Bilanz führen.

Die Aus­scheidung von Zink im Harn liegt zwi­schen 200 und 600 µg pro Tag. Dies ent­spricht etwa 10 bis 20% der üblichen Höhe der Nah­rungs­zufuhr von Zink und liegt deutlich unter den Mengen an Zink, die im Stuhl ent­halten sind. Die renale Zink-​Clearance weist eine Abhän­gigkeit von der Zink-​Konzentration im Plasma auf. Im pro­xi­malen Tubulus kann Zink sowohl resor­biert als auch sezer­niert werden, was auf eine regu­la­to­rische Rolle der Niere bei der Zink-​Homöostase hin­weist. Die renale Zink- Aus­scheidung wird nur wenig von der Ernährung beein­flusst. Eine erhöhte renale Zink-​Ausscheidung wird bei Kata­bolie, chro­ni­schem Alko­hol­konsum, Dia­betes, Tumoren, post­ope­ra­tiven Zuständen und im Post-​Infarktstadium beobachtet.

Physiologische Funktionen von Zink

Zink spielt bei einer großen Zahl von phy­sio­lo­gi­schen und bio­che­mi­schen Reak­tionen eine Rolle (siehe Tab. 4). Es muss dabei aller­dings darauf hin­ge­wiesen werden, dass die Auf­zählung der Funk­tionen in der Tabelle 4 kei­neswegs den Anspruch auf Voll­stän­digkeit erheben kann. Die Bedeutung von Zink für viele Stoff­wech­sel­vor­gänge geht auch daraus hervor, dass alle Klassen von Enzymen – Trans­ferasen, Hydro­lasen, Lyasen, Iso­me­rasen, Oxido­re­duktasen, und Ligasen bezüglich ihrer Akti­vität von Zink abhängig sind (2). Zink steht auch in einer funk­tio­nellen Beziehung zu fol­genden Hor­monen: Ste­ro­id­hormone, Insulin, Para­thormon, hypo­physäre Hormone, STH, Sexu­al­hormone und Schilddrüsenhormone.

Physiologische Funktionen von Zink

Im Zusam­menhang mit der Lebens­dauer von Zellen kann fest­ge­stellt werden, dass die Apo­ptose durch einen intra­zel­lu­lären Zink-​Mangel sti­mu­liert wird (2). Bestimmte intra­zel­luläre Funk­tionen wie die Ver­nichtung von Patho­genen, die Zyto­kin­pro­duktion, und die Pro­duktion reak­tiver Sauer­stoff­spezies sind Zink-​abhängig. Zink ist von ent­schei­dender Bedeutung für die ord­nungs­gemäße Ent­wicklung und Funktion des gesamten Immun­systems und zwar sowohl im Hin­blick auf die ange­borene als auch die erworbene Immu­nität (2).

Eine mäßige Erhöhung der Zink-​Zufuhr könnte auch eine pro­tektive Rolle bei der Ent­wicklung von Dia­betes Typ II spielen (3). Für die gesamte Zink-​Zufuhr aus der Nahrung und aus Sup­ple­menten kann jedoch kein pro­tek­tiver Effekt nach­ge­wiesen werden. Eine stark erhöhte Zink-​Konzentration im Serum bzw. Plasma wird ande­rer­seits mit einem erhöhten Risiko für Typ II Dia­betes in der Bevöl­kerung in Ver­bindung gebracht. Dies wird auf eine mög­liche Störung des Zink-​Stoffwechsels zurückgeführt.

Ernährungsphysiologie von Zink

Die Angaben zum täg­lichen ali­men­tären Bedarf von Zink hängen von Alter und Geschlecht, Schwan­ger­schaft und Stillzeit sowie von der Auf­nahme von Phytinsäure/​Phytaten ab (4). Kom­plex­bildner wie Phytate, die ins­be­sondere in Hül­sen­früchten und Voll­korn­pro­dukten reichlich ent­halten sind, behindern die Auf­nahme von Zink. Bei sehr hohem Konsum von Phy­taten kann die Resorption von Zink um bis zu 45% ver­ringert werden.

Die Deutsche Gesell­schaft für Ernährung emp­fiehlt für Kinder von 1 bis 4, bzw. 4 bis 7 bzw. 7 bis 10 Jahren eine Auf­nahme von 3 bzw. 4 bzw. 6 mg/​d. Ab dem Alter von 10 Jahren unter­scheiden sich die Emp­feh­lungen je nach Geschlecht. Für Buben /​ Mädchen werden im Alter von 10 bis 13 bzw. 13 bis 15 bzw. 15 bis 19 Jahren 9 /​ 8 bzw. 12 /​ 10 bzw. 14 /​ 11 mg/​d emp­fohlen. Bei Erwach­senen wird darüber hinaus je nach dem Phytat-​Gehalt der Ernährung differenziert.

  • Bei hoher Phytat­zufuhr liegt die emp­fohlene Auf­nahme von Zink für Männer bei 16 und für Frauen bei 10 mg/​d. Eine hohe Phytat­zufuhr und damit redu­zierte Zink-​Resorption besteht bei einer Ernährung mit einem hohen Anteil nicht gekeimter oder fer­men­tierter Voll­korn­pro­dukte und Hül­sen­früchten und über­wiegend pflanz­lichen Proteinquellen.
  • Bei mitt­lerer Phytat­zufuhr liegt die emp­fohlene Auf­nahme von Zink für Männer bei 14 und für Frauen bei 8 mg/​d. Eine mittlere Phytat­zufuhr ent­spricht einer voll­wer­tigen Mischkost sowie einer vege­ta­ri­schen oder veganen Ernährung mit vor­wiegend aus­ge­mah­lenen, gekeimten oder fer­men­tierten Getreideprodukten.
  • -Bei geringer Phytat­zufuhr liegt die emp­fohlene Auf­nahme von Zink für Männer bei 11 und für Frauen bei 7 mg/​d. Eine geringe Phytat­zufuhr liegt bei Fleisch als haupt­säch­licher Pro­te­in­quelle und einem geringen Verzehr von Voll­korn­pro­dukten und Hül­sen­früchten vor.

Zink ist in zahl­reichen Lebens­mitteln ent­halten, jedoch in sehr unter­schied­lichen Kon­zen­tra­tionen (siehe Tab. 5a und b). Tabelle 5a zeigt eine Ein­teilung der Zink-​Lieferanten auf Basis eines Ener­gie­ge­halts von 1000kcal, Tabelle 5b zeigt eine Auf­listung auf Basis des Zink-​Gehalts in 100g des Lebensmittels.

Zink-Lieferanten

Von nicht unwe­sent­licher Bedeutung für die Beur­teilung ein­zelner Lebens­mittel im Hin­blick auf deren rela­tiven Beitrag zur Bedarfs­de­ckung mit einem defi­nierten Nähr­stoff ist jedoch nicht nur der absolute Gehalt des Nähr­stoffes im Lebens­mittel. Eine wesent­liche Rolle kommt dabei auch jenen Mengen zu, die von einem bestimmten Lebens­mittel über längere Zeit­räume kon­su­miert werden. Die Tabelle 6 gibt einen Über­blick über den rela­tiven Beitrag ein­zelner Lebens­mit­tel­gruppen zur ali­men­tären Zink-​Versorgung. Ange­sichts der Tat­sache, dass bei der üblichen Ernährung ein beträcht­licher Anteil an bear­bei­teten Lebens­mitteln zuge­führt wird, kann auch den Ver­lusten bei der Lebens­mit­tel­be­ar­beitung Bedeutung zukommen. Die durch­schnitt­lichen und rela­tiven Zink-​Verluste bei der indus­tri­ellen Lebens­mit­tel­be­ar­beitung sind in der Tabelle 7 wie­der­ge­geben. Diese sind teil­weise beträchtlich und können bei Kon­ser­vierung von Lebens­mitteln 80% erreichen.

Relativer Beitrag von Lebensmittelgruppen zur Zink-Versorgung

Verluste von Zink bei der Bearbeitung von Lebensmitteln

Diagnostik des Zink-Status

Einen Über­blick über die ver­schie­denen Mög­lich­keiten der Dia­gnostik des Zink-​Status gibt die Abbildung 1. Als Refe­renz­be­reich für die Kon­zen­tration von Zink im Plasma werden 60 bis 145 µg/​dl für Frauen und 80 bis 170 µg/​dl für Männer ange­geben (7). Die Kon­zen­tration von Zink im Plasma zeigt eine Abhän­gigkeit vom Zink-​Status, bei lediglich mar­gi­nalem Mangel treten noch keine Ver­än­de­rungen der Plasma-​Zink-​Konzentration auf. Die Zink-​Konzentration im Plasma, ab der ein Zink-​Mangel dia­gnos­ti­ziert wird, wird mit weniger als 70 µg/​dl im mor­gend­lichen Nüch­tern­plasma ange­geben (8). Ver­schiedene Ein­flüsse auf die Höhe der Zink-​Konzentration im Plasma können der Tabelle 8 ent­nommen werden. Bei geringer Zink-​Zufuhr wird Zink aus den Spei­chern frei­ge­setzt. Weiters sind Ver­schie­bungen von Zink zwi­schen den Com­part­ments möglich.

Einflüsse auf die Plasmakonzentrationen von Zink

Bestimmung des Zink-Status

Die Werte ändern sich im Lauf des Tages, sind nach Mahl­zeiten geringer und vari­ieren je nach Geschlecht und Alter. Bei inten­siver kör­per­licher Belastung kommt es zu einer vor­über­ge­henden Erhöhung der Zink-​Konzentration im Plasma, was wahr­scheinlich die Folge einer Zink-​Abgabe aus der Ske­lett­mus­ku­latur ist. Nach dem Ende der kör­per­lichen Belastung kehrt die Zink-​Konzentration im Plasma relativ rasch wieder in den Nor­mal­be­reich zurück, was mit einer erhöhten Zink-​Ausscheidung im Harn und mit einer Ver­schiebung von Zink aus dem Plasma in die Leber in Ver­bindung gebracht wird.

Die Bestimmung des Zink-​Gehalts im Haar ist wegen ver­schie­dener Ein­fluss­fak­toren wie Haar­farbe, wech­selnde Inten­sität des Haar­wuchses, Haar­ausfall, etc. kein guter Indi­kator des Zink-​Status. Brauchbare Indi­ka­toren des Zink-​Status sind hin­gegen die Messung von Metal­lothionein, der Akti­vität der alka­li­schen Phos­phatase und der freien Zink-Bindungskapazität.

Mit stei­gender ali­men­tärer Zink-​Zufuhr steigt der Gehalt von Metal­lothionein in den Ery­thro­zyten, Hepa­to­zyten und im Plasma an. Die gleich­zeitige Messung von Metal­lothionein und Zink im Plasma erlaubt eine Unter­scheidung zwi­schen einem ali­men­tären Zink-​Mangel und anderen Ursachen eines gestörten Zink-​Metabolismus. Eine Abnahme beider Para­meter ist cha­rak­te­ris­tisch für eine Reduktion des freien, aus­tausch­baren Zink-​Pools und weist auf eine inad­äquate ali­mentäre Zink- Zufuhr hin. Niedrige Zink- Plas­ma­kon­zen­tra­tionen und hohe Metallothionein-​Konzentrationen sind Anzeichen einer Umver­teilung von Zink im Orga­nismus als Folge ver­schie­dener Beein­flus­sungen des Zink-Metabolismus.

Die alka­lische Phos­phatase in den Ery­thro­zyten reagiert auf eine Zink-​Zufuhr mit einer Akti­vi­täts­zu­nahme und auf Zink-​Mangel mit einer Akti­vi­täts­ab­nahme. Die Bestimmung der Akti­vität der alka­li­schen Phos­phatase in den Ery­thro­zyten gilt daher als brauch­barer Indi­kator für den Zink Status. Zu beachten ist dabei aller­dings, dass die Akti­vität der alka­li­schen Phos­phatase auch von Kupfer, Fett­säuren, Phosphat, Vitamin D, Magnesium und von einer Reihe anderer Ein­flüsse abhängt. Bei indi­vi­duell unter­schied­licher Aus­gangs­si­tuation oder bei unbe­kannter Ver­sor­gungslage kann die Enzy­mak­ti­vität vor und nach einer Zink-​Gabe bestimmt werden.

Die freie Zink-​Bindungskapazität ist ein Maß für die freien Zink-​Bindungsstellen im Plasma. Bei dieser Methode wird dem Plasma Zink im Über­schuss bei­gegeben und anschließend das nicht gebundene Zink mit Magne­si­um­kar­bonat aus­ge­fällt. Die freie Zink-​Bindungskapazität errechnet sich aus der Dif­ferenz zwi­schen dem Zink-​Gehalt des gesät­tigten und des unbe­han­delten Plasmas. Die Bezugs­größe ist dabei die Zink-​Konzentration des gesät­tigten Plasmas.

Zink-​Mangel

Abge­sehen von einer unzu­rei­chenden Zufuhr mit der Ernährung kann eine große Zahl unter­schied­licher ursäch­licher Fak­toren zur Ent­wicklung eines Zink-​Mangels bei­tragen. Einige Bei­spiele dafür sind in der Tabelle 9 ange­führt. Zu unter­scheiden ist aller­dings zwi­schen einem kli­nisch rele­vanten Zink-​Mangel und einer schlechten ali­men­tären Zink-​Versorgung mit der Folge eines sub­kli­ni­schen Man­gel­zu­standes. Solche sub­kli­ni­schen Man­gel­zu­stände sollen aller­dings bei bestimmten Sub­po­pu­la­tionen wie Kindern und alten Men­schen auch in Indus­trie­na­tionen relativ häufig nach­weisbar sein (9).

Ursachen für Unterversorgung und Mangel an Zink

Ins­gesamt geht man davon aus, dass etwa 17,3 % der Welt­be­völ­kerung von einem ali­mentär bedingten Zink-​Mangel betroffen sind bzw. ein Risiko dafür auf­weisen (10). In entwickelten/​wohlhabenden Regionen wird eine Prä­valenz von rund 7,5 % geschätzt, in unter­ent­wi­ckelten Ländern Süd­ost­asiens und Subsahara-​Afrikas bis zu 30 %. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sation WHO bezeichnet Zink-​Mangel als einen der zehn häu­figsten gesund­heit­lichen Risi­ko­fak­toren in Ent­wick­lungs­ländern (11).

Im Zusam­menhang mit der Bedeutung von Zink bei immu­no­lo­gi­schen Reak­tionen wie der Ent­zündung und der Reaktion auf oxi­da­tiven Stress werden bestimmte chro­nische Erkran­kungen deren Häu­figkeit im Alter zunimmt, mit einem Zink-​Mangel in Beziehung gebracht. Bei­spiele dafür sind die rheu­ma­toide Arthritis, Dia­betes, Athe­ro­sklerose, Beein­träch­tigung der kogni­tiven Funktion und die alters­be­dingte Maku­la­de­ge­ne­ration (2, 12).

Die Sym­ptome eines leichten oder mar­gi­nalen Mangels sind unspe­zi­fisch und können Appe­tit­mangel, Stö­rungen der Geschmacks­emp­findung, erhöhte Infekt­an­fäl­ligkeit und eine schlechte Wund­heilung umfassen. Ein leichter Zink-​Mangel kann aber auch mit Gewichts­verlust, Haut­ver­än­de­rungen im Sinne einer rauen Haut, Oli­gospermie und Hyperam­mo­niämie ein­her­gehen. Schwere Fälle von Zink-​Mangel sind u.a. mit Lym­phopenie, Abnahme des Ver­hält­nisses von T‑Helferzellen zu zyto­to­xi­schen Zellen, Abnahme der Akti­vität der natür­lichen Kil­ler­zellen und erhöhter Zyto­to­xi­zität von Mono­zyten ver­bunden und gehen u.a. mit Wachstums- und Ent­wick­lungs­stö­rungen, schweren Immun­de­fi­ziten, Der­ma­titis, Haar­verlust und chro­ni­schen Durch­fällen einher (10).

Eine Zink-​Supplementierung wird unab­hängig vom Zink-​Status bei ansonsten gesunden Per­sonen häufig zur Behandlung und Prä­vention von Erkäl­tungs­krank­heiten emp­fohlen. Laut einer aktu­ellen sys­te­ma­ti­schen Über­sichts­arbeit kann die Dauer von Erkäl­tungs­krank­heiten durch die Ein­nahme von Zink-​Supplementen tat­sächlich etwas ver­kürzt werden (13). Aller­dings ist die Stu­di­enlage sehr hete­rogen betreffend Teil­nehmer, Art der Sup­ple­mente und Durch­führung, sodass die Ergeb­nisse eher als Hin­weise zu werten sind. Für Men­schen mit chro­ni­schen Erkran­kungen oder im höheren Alter wird jeden­falls eine vor­sorg­liche Bestimmung des Zink-​Status empfohlen.

Eine Zink-​Supplementierung wird auch bei bak­te­ri­ellen oder para­si­tären Infek­tionen dis­ku­tiert sowie in wei­teren Ein­satz­be­reichen wie der alters­be­dingten Maku­la­de­ge­ne­ration oder in Zusam­menhang mit Auto­im­mun­erkran­kungen (10). Weiters wird der Einsatz von Zink-​Supplementen bei inten­siver sport­licher Betä­tigung diskutiert.

Toxizität von Zink

Im Ver­gleich zu den che­misch ver­wandten Metallen Cadmium und Queck­silber besitzt Zink eine sehr geringe akute Toxi­zität (14). Die LD50 wird auf 27 g pro Tag geschätzt. Eine Ein­nahme von Zink-​Supplementen in einer Dosierung im Bereich von 50–300 mg/​d wird mit einer Reihe von uner­wünschten bio­che­mi­schen und phy­sio­lo­gi­schen Ver­än­de­rungen in Ver­bindung gebracht (15). Dazu zählen eine Abnahme der Kup­fer­kon­zen­tration im Plasma sowie eine ver­min­derte Akti­vität von kup­fer­ab­hän­gigen Enzymen, Leu­ko­penie und Neu­tro­penie, Ver­än­de­rungen im Lipid­stoff­wechsel, und Beein­träch­tigung der Immunfunktion.

Von beson­derer Bedeutung ist in diesem Zusam­menhang der oft beschriebene Ant­ago­nismus zwi­schen Kupfer und Zink, der u.a. auch mit der Kon­kurrenz der beiden Metalle um den Transport am Metal­lothionein in Ver­bindung gebracht wird.

Nach den Angaben der European Food Safety Aut­hority (16) beträgt der NOAEL(No Observed Adverse Effect Level)-Wert für Zink 50 mg/​d. Als UL werden 25 mg/​d emp­fohlen, wobei UL für Tole­rable Upper Intake Level steht. Für Kinder liegen die UL-​Werte alters­ab­hängig im Bereich von 7 bis 22 mg/​d.

 


Zusammenfassung

Das essen­zielle Spu­ren­element Zink ist im mensch­lichen Orga­nismus weit ver­breitet und befindet sich in erster Linie im Intra­zel­lu­lärraum. Aus­ge­prägte Speicher für Zink sind im Orga­nismus aller­dings nicht vor­handen, wes­wegen eine relativ regel­mäßige Zufuhr erfor­derlich ist. Die enterale Resorption von Zink erfolgt vor­wiegend im Jejunum, das Stoff­wech­sel­gleich­ge­wicht wird durch die Abstimmung zwi­schen der Resorption einer­seits und der Aus­scheidung im Stuhl sowie im Harn auf­recht­erhalten. Zink ist bei einer Vielzahl von bio­che­mi­schen und phy­sio­lo­gi­schen Funk­tionen beteilig. Ein mar­gi­naler oder kli­nisch mani­fester Zink-​Mangel steht daher mit einer großen Zahl von funk­tio­nellen Stö­rungen im Zusam­menhang. In dieser Hin­sicht soll besonders auf den funk­tio­nellen Ant­ago­nismus zwi­schen Kupfer und Zink ver­wiesen werden. Ali­mentär bedingte Zink-​Mangelzustände treten relativ häufig auf und betreffen besonders Kinder und ältere Men­schen. Die per­orale Toxi­zität von Zink bei der üblichen Zufuhr durch die Nahrung und durch Sup­ple­mente wird als nicht hoch eingeschätzt.


 

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Absoluter und relativer Zink-Bestand einzelner Organe

DFP-​Literaturstudium

 

Autor:

Ao. Univ. Prof. Dr. W. Marktl, GAMED Wiener Inter­na­tionale Aka­demie für Ganz­heits­me­dizin, Sana­to­ri­umstr. 2, 1140 Wien

Lecture Board:

Ao.-Prof. Dr. Cem Ekmek­cioglu, Zentrum für Public Health, Medi­zi­nische Uni­ver­sität Wien

Ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Mös­linger, Institut für Phy­sio­logie, Medi­zi­nische Uni­ver­sität Wien

Fort­bil­dungs­an­bieter:

Öster­rei­chische Gesell­schaft für Innere Medizin

 

Lite­ratur:

1)      Schmidt KH & Bayer W. Zink in der Medizin – aktu­eller wis­sen­schaft­licher Erkennt­nis­stand. Vit­aminspur 1996, 11: 159–185

2)      Wessels I, Maywald M, & Rink L. Zinc as a Gate­keeper of Immune Function. Nut­rients 2017; 9: 1268. doi: 103390/​nu9121286

3)      Fernandez-​Cao JC, Warthon-​Medina M, Moran VH et al. Zinc Intake and Status and Risk of Type 2 Dia­betes Mel­litus: A Sys­te­matic Review and Meta-​Analysis. Nut­rients 2019; 11: 1027. doi: 103390/​nu11051027

4)      Deutsche Gesell­schaft für Ernährung (DGE), Öster­rei­chische Gesell­schaft für Ernährung (ÖGE), Schwei­ze­rische Gesell­schaft für Ernährung (SGE): D‑A-​CH-​Referenzwerte für die Nähr­stoff­zufuhr, 2. Aufl., Umschau-​Verlag, Bonn 2018

5)      Solomon NW. Dietary sources of zinc and factors affecting its bio­avai­la­bility. Food Nutr Bull 2001; 22: 138–154

6)      Heseker H, Heseker B. Die Nähr­wert­ta­belle, 2019/​2020, 6. Aufl., Umschau Verlag

7)      Thomas L (Hrsg.): Labor und Dia­gnose, 2020/​10. Aufl., www.labor-und-diagnose-2020.de, abge­rufen am 16.02.2021

8)      Maret W, Sand­stead HH. Zink­bedarf und Risiko und Nutzen einer Zink­sup­ple­men­tierung. Per­spect Med 2014; 2: 3–18

9)      Prasad AS. Dis­covery of Human Zinc Defi­ciency: Its Impact on Human Health and Disease. Adv Nutr 2013; 4: 176–190

10)  Wessels KR & Brown KH. Esti­mating the Global Pre­va­lence of Zinc Defi­ciency: Results Based on Zinc Avai­la­bility in National Food Sup­plies and the Pre­va­lence of Stunting. PLoS One 2012; 7: e50568

11)  World Health Orga­niz­ation: Global Health Risks – Mor­tality and burden of disease attri­bu­table to selected major risks; 2009

12)  Choi S, Liu X & Pan Z. Zinc defi­ciency and cel­lular oxi­dative stress: pro­gnostic impli­ca­tions in car­dio­vascular diseases. Acta phar­macol Sin 2018; 39: 1120–1132. doi: 10.1038/aps.2018.25

13)  Hunter J, Arentz S, Gol­denberg J et al. Rapid review pro­tocol: Zinc for the pre­vention and tre­atment of COVID-​19 and other coronavirus-​related respi­ratory tract infec­tions. Integr Med Res 2020; 9: 100457

14)  Plum LM, Rink L, Haase H. The Essential Toxin: Impact of Zinc on Human Health. Int J Environ Res Public Health 2010; 7: 1342–1365

15)  Sand­stead HH. Is zinc defi­ciency a public health problem? Nut­rition 1995; 11: 87–92

16)  Tole­rable Upper Intake Levels for Vit­amins and Minerals. Sci­en­tific Com­mittee on Food. Sci­en­tific Panel on Die­tetic Pro­ducts, Nut­rition and All­ergies. European Food Safety Aut­hority; 2006

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