Hochdosiertes Vitamin D in der Schwangerschaft

September 2020 | Fachlich-Sachlich

Eine hoch­do­sierte Vitamin-​D-​Supplementierung in der Schwan­ger­schaft kann im Ver­gleich zur Stan­dard­do­sierung die Kno­chen­mi­ne­ra­li­sierung des Kindes bis zum 6. Lebensjahr deutlich ver­bessern. Auch die Kno­chen­dichte und das Risiko für Kno­chen­brüche und Osteo­porose im Erwach­se­nen­alter können günstig beein­flusst werden. Eine Anhebung der Vitamin-​D-​Empfehlung für Schwangere wäre zu über­legen.

Vitamin D ist ein essen­ti­elles Vitamin für den Kno­chen­stoff­wechsel und ermög­licht die Kno­chen­mi­ne­ra­li­sierung. Die Kno­chen­mi­ne­ra­li­sierung beginnt bereits in der Gebär­mutter und wird in der Kindheit bis ins junge Erwach­se­nen­alter fort­ge­setzt bis die maximale Kno­chen­dichte erreicht wird. Diese soge­nannte „Peak Bone Mass“ ist ein ent­schei­dender Ein­fluss­faktor für das Osteoporose-​Risiko in spä­teren Jahren. Eine ver­min­derte Kno­chen­mi­ne­ra­li­sierung ist häufig auch mit einem erhöhten Risiko für Kno­chen­brüche im Kin­des­alter asso­ziiert. In den ver­gan­genen Jahr­zehnten hat man vor allem auf­grund ver­än­derter Ernährungs- und Lebens­stil­ge­wohn­heiten das Interesse auf einen Vitamin-​D-​Mangel fokus­siert. Vor­an­ge­gangene Studien geben Hin­weise dafür, dass sich der müt­ter­liche Vitamin-​D-​Status während der Schwan­ger­schaft auf Kno­chen­mi­ne­ra­li­sierung und Anthro­po­metrie des Nach­wuchses aus­wirken kann. Es gibt dazu aller­dings erst wenige Studien mit sehr unter­schied­lichen Ergeb­nissen.

Studiendesign

Ziel der vor­lie­genden Studie war die Unter­su­chung des Effekts einer hoch dosierten Vitamin-​D-​Supplementation während der Schwan­ger­schaft auf Anthro­po­metrie und Kno­chen­mi­ne­ra­li­sierung des Nach­wuchses bis zum 6. Lebensjahr. Es handelt sich um eine doppelt-​verblindete, ran­do­mi­sierte, kli­nische Studie aus der Mutter-​Kind-​Kohorte der „Copen­hagen Pro­spective Studies on Asthma in Childhood 2010 COPSAC“ mit 623 schwan­geren Frauen und deren 584 Kindern. Die Daten wurden zwi­schen Jänner und Sep­tember 2019 ana­ly­siert. Die Pro­ban­dinnen der Inter­ven­ti­ons­gruppe haben ab der 24. Schwan­ger­schafts­woche bis in die 1. Woche nach der Geburt täglich ein hoch­do­siertes Vitamin-​D-​Supplement mit 2800 IU/​d auf­ge­nommen, die Pro­ban­dinnen der Kon­troll­gruppe die Stan­dard­dosis von 400 IU/​d. Die 25-​Hydroxy-​Vitamin-​D-​Level im Serum wurden in der 24. Schwan­ger­schafts­woche sowie eine Woche nach der Geburt gemessen.

Als pri­märer Outcome wurden anthro­po­me­trische Mess­größen wie Größe, Gewicht und BMI des Kindes bis zum 6. Lebensjahr erhoben. Die anthro­po­me­tri­schen Mes­sungen wurden bei jedem Besuch durch­ge­führt, beginnend mit der 1. Lebens­woche, nach 1 Monat, 3 Monaten, 6 Monaten, dann halb­jährlich bis zum 3. Lebensjahr und dann jährlich bis zum 6. Lebensjahr. Daneben wurde auch die Kno­chen­mi­ne­ra­li­sierung (BMC) und Kno­chen­dichte (BMD) mit 3 und mit 6 Jahren über Dual-​Energy-​Radiographie-​Absorptiometrie (DEXA) bestimmt.

Die Häu­figkeit des Auf­tretens von Kno­chen­brüchen wurde über per­sön­liche Gespräche ermittelt.

Resultate

Die mater­nalen Serum-​25-​Hydroxy-​Vitamin-​D-​Level waren in der Inter­ven­ti­ons­gruppe 1 Woche nach der Geburt deutlich höher als in der Pla­ce­bo­gruppe (42,59 ng/​ml vs. 29,29 ng/​ml).

Nach 6 Jahren haben 517 Kinder (89%) die Studie beendet. Es waren 261 Buben und 256 Mädchen. Es zeigten sich keine signi­fi­kanten Unter­schiede zwi­schen den Kindern der beiden Gruppen hin­sichtlich Kör­per­größe, Gewicht, BMI, Bauch­umfang, Kopf- oder Tho­ra­x­umfang.

Eine Modellanalyse der DEXA-​Befunde mit 3 und 6 Jahren zeigte, dass Kinder mit der höheren Vitamin-​D-​Versorgung im Ver­gleich zur Kon­troll­gruppe eine höhere Gesamt-​BMC hatten (526,2 g vs. 513,5 g nach 3 Jahren und 833,2 g vs. 817,8 g nach 6 Jahren). Die Effekte auf die Kno­chen­dichte BMD waren hin­gegen nicht signi­fikant (0,61 g/​cm2 vs. 0,60 g/​cm2 nach 3 Jahren und 0,72 g/​cm2 vs. 0,71 g/​cm2 nach 6 Jahren). Die deut­lichsten Effekte zeigten sich bei Kindern von Müttern, die zu Beginn der Studie einen Vitamin-​D-​Mangel auf­wiesen sowie bei Geburten in den Win­ter­mo­naten.

Es zeigte sich daneben in der Gruppe mit der höheren Sup­ple­men­tierung eine geringere Inzidenz für Kno­chen­brüche. Während der 6 Jahre Follow Up kam es zu 59 Kno­chen­brüchen bei 55 Kindern, 22 davon in der Inter­ven­ti­ons­gruppe und 33 in der Pla­ce­bo­gruppe.

Conclusio

Eine hoch­do­sierte Vitamin-​D-​Supplementierung während der Schwan­ger­schaft kann im Ver­gleich zur Stan­dard­do­sierung die Kno­chen­mi­ne­ra­li­sierung des Nach­wuchses bis zum 6. Lebensjahr deutlich ver­bessern. Daneben können auch die Kno­chen­dichte sowie das Risiko für Kno­chen­brüche und Osteo­porose im Erwach­se­nen­alter günstig beein­flusst werden. Die Autoren emp­fehlen daher über eine Anhebung der Vitamin-​D-​Empfehlung während der Schwan­ger­schaft nach­zu­denken, um die Kno­chen­ge­sundheit des Kindes im Erwach­se­nen­alter günstig zu beein­flussen.

 

OEAIE 2020 Fallmann K, Widhalm K

 

Quelle: Brustad N, Garland J, Thorsen J, et al. Effect of High-​Dose vs. Standard-​Dose Vitamin D Sup­ple­men­tation in Pregnancy on Bone Mine­ra­liz­ation in Off­spring Until Age 6 Years: A Pre­spe­cified Secondary Ana­lysis of a Double-​Blinded, Ran­do­mized Cli­nical Trial. JAMA Pediatr 2020; 174: 419–427