Äpfel und Kardio-​Marker

Juni 2020 | Fachlich-Sachlich

Eine pflanzlich betonte Kost, die reich an vit­amin­reichem Gemüse und Obst ist, ist mit einem redu­zierten kar­dio­vasku­lären Risiko asso­ziiert. Äpfel sind eine sehr beliebte Obst­sorte und machen ca. 12% des weltweit kon­su­mierten Obstes aus. Sie sind reich an bio­ak­tiven Poly­phe­nolen (vor allem Fla­vonole und Pro­an­tho­cyanide) sowie Bal­last­stoffen. Es gibt Evidenz dafür, dass der Konsum von Äpfeln auf­grund der ent­hal­tenen bio­ak­tiven Inhalts­stoffe mit güns­tigen gesund­heit­lichen Effekten asso­ziiert ist, wie z.B. günstige Effekte auf den Fett­stoff­wechsel sowie andere Kardio-​Marker. Es gibt Hin­weise dafür, dass vor allem Pro­an­tho­cyanide den Cho­le­ste­rin­spiegel senken, während sie HDL erhöhen und LDL ver­mindern können. Der in Äpfeln eben­falls in grö­ßeren Mengen ent­haltene was­ser­lös­liche Bal­last­stoff Pektin hat laut vor­an­ge­gan­genen Studien eben­falls günstige Wir­kungen wie z.B. günstige Effekte auf den Fett- und Glukose-​Stoffwechsel sowie auf die Darm Mikro­biota.

Studiendesign

Ziel der vor­lie­genden Studie war die Unter­su­chung der Effekte eines täg­lichen Konsums von Äpfeln auf zir­ku­lie­rende Lipide, vaskuläre Funk­tionen und andere kar­dio­vaskuläre Risi­ko­fak­toren. Die Studie war eine ran­do­mi­sierte, kon­trol­lierte Crossover-​Interventionsstudie. Die Stu­di­en­po­pu­lation waren 43 gesunde Pro­banden (25 Frauen und 18 Männer) mit leichter Hyper­cho­le­ste­rinämie (Gesamt­cho­le­sterin >5,2 mmol/​L). Sie hatten einen durch­schnitt­lichen BMI von 25,3 kg/​m2 und ein Durch­schnitts­alter von 51 Jahren. Zu Stu­di­en­beginn füllten die Pro­banden einen Fra­ge­bogen zu Gesundheit und Lebensstil aus. Außerdem wurden Gewicht, Größe und Blut­druck gemessen sowie ein Blutbild inkl. Blut­fetten, Leber- und Nie­ren­funk­ti­ons­markern gemacht.

Als pri­märer Outcome wurde das Gesamt­cho­le­sterin im Serum defi­niert. Alle anderen Fak­toren gelten als sekundäre Out­comes (z.B. Ver­än­de­rungen des Blut­drucks, arte­ri­ellen Gefäße usw.).

Die Pro­banden wurden in zwei Gruppen ein­ge­teilt. Die 1. Gruppe bekam zunächst 8 Wochen lang täglich 2 unge­schälte Äpfel (ca. 340g) der Sorte Renetta Canada (WA), diese gilt als besonders reich an Pro­an­tho­cya­niden. Dann folgte eine 4‑wöchige Washout-​Phase und danach bekamen sie über weitere 8 Wochen täglich 500ml eines Apfel­saft­ge­tränks aus 50% Apfel­saft­kon­zentrat mit ähn­lichem Zucker- und Ener­gie­gehalt (CB). Die 2. Gruppe bekam die­selben Lebens­mittel, aber in umge­kehrter Rei­hen­folge, dh. sie star­teten mit dem Apfel­saft­ge­tränk über 8 Wochen, es folgte die 4‑wöchige Washout-​Phase und dann kon­su­mierten sie über 8 Wochen lang täglich 2 Äpfel.

Vor und nach jeder Inter­vention wurden per­sönlich Treffen mit den Pro­banden ver­einbart (Woche 1, 8, 12 und 20). Dabei wurde der 24-​Stunden Harn vom Vortag ein­ge­sammelt. Außerdem wurde den Pro­banden Blut abge­nommen und Serum­lipide, Blut­zucker, Insulin, Gal­len­säuren sowie endo­the­liale und inflamma­to­rische Bio­marker gemessen. Es wurde zudem der Blut­druck gemessen und es erfolgten anthro­po­me­trische Mes­sungen wie Größe, Gewicht, Kör­per­fett­zu­sam­men­setzung, Hüft- und Bauch­umfang. Die Pro­banden mussten außerdem in der Woche vor jedem Treffen ein 4‑Tages-​Ernährungsprotokoll führen.

Resultate

Es wurden Nähr­wert­ana­lysen der beiden Inter­ven­ti­ons­pro­dukte (Äpfel vs. Apfelsaft) durch­ge­führt. Äpfel haben einen deutlich höheren Gehalt an Poly­phe­nolen und Bal­last­stoffen. Die täg­liche Auf­nah­me­menge von 340g Äpfel liefert 990mg Poly­phenole (davon 854 mg Pro­an­tho­cyanide), und 8,5g Bal­last­stoffe. 500ml Apfelsaft liefern hin­gegen nur 2,5mg Poly­phenole (davon 1mg Pro­an­tho­cyanide) und weniger als 0,5g Bal­last­stoffe.

Während der Inter­vention gab es keine Ver­än­derung der täg­lichen Energie‑, Kohlenhydrat‑, Zucker‑, Fett- oder Eiweiß­auf­nahme. Während der 8‑wöchigen täg­lichen Apfel-​Aufnahme war die Auf­nahme von Bal­last­stoffen und Fla­vo­noiden deutlich höher als im Ver­gleich zur Apfelsaft-​Periode.

Der täg­liche Apfel­konsum hat sowohl das Gesamt­cho­le­sterin (P = 0,006) als auch das LDL-​Cholesterin (P = 0,031) gesenkt, während das HDL-​Cholesterin unver­ändert blieb. Daneben haben auch Tria­cyl­gly­cerol sowie inter­zel­luläre Adhäsions-​Moleküle abge­nommen. Die Serum-​Harnsäure hat im Ver­gleich zur Kon­troll­gruppe etwas zuge­nommen. Die Endothelium-​abhängige mikro­vaskuläre Vaso­dilation war während der Apfel-​Intervention eben­falls höher als während der Apfelsaft-​Phase (P = 0,037). Dies kann eben­falls als Indi­kator kar­dio­vasku­lärer Gesundheit gesehen werden. Es zeigte sich hin­gegen kein Effekt auf den Blut­druck.

Conclusio

Die vor­lie­gende Studie zeigte günstige kar­dio­vaskuläre Effekte – vor allem cho­le­ste­rin­sen­kende und günstige vaskuläre Effekte – eines täg­lichen Konsums von zwei Äpfeln im Ver­gleich zu Apfelsaft bei Pro­banden mit milder Hyper­cho­le­ste­rinämie. Diese güns­tigen Effekte können vor allem auf den hohen Ballaststoff- und Poly­phe­nol­gehalt von Äpfeln zurück­ge­führt werden.

OEAIE 2020 Fallmann K, Widhalm K

 

Lite­ratur:

Koutsos A, Ric­ca­donna S, Ula­szewska MM, et al. Two apples a day lower serum cho­le­sterol and improve car­dio­me­ta­bolic bio­markers in mildly hyper­cho­le­ste­ro­lemic adults: a ran­do­mized, con­trolled, crossover trial. Am J Clin Nutr 2020; 111: 307–318