Hyperurikämie: Lebensstil- und Ernährungsmodifikation

Dezember 2019 | Fachlich-Sachlich

Lebensstil- und Ernäh­rungs­mo­di­fi­kation tragen wesentlich zur Prä­vention sowie zur Behandlung von Hyper­urikämie bei. Nicht phar­ma­ko­lo­gische Maß­nahmen können die Harn­säure um 10 bis 15 Prozent senken.

Eine puri­narme, bedarfs­ge­rechte Ernährung ist daher eine wichtige The­ra­pie­maß­nahme (300 bis 500mg Purine pro Tag). Die Purin­zufuhr soll bei einer streng puri­n­armen Ernährung unter 2000mg, bei einer puri­n­armen unter 3000mg pro Woche liegen. Weiters wird eine aus­rei­chende Zufuhr kalo­ri­en­freier Flüs­sig­keiten emp­fohlen (min­destens 2,5 Liter pro Tag), da für die Aus­scheidung der Harn­säure viel Flüs­sigkeit not­wendig ist.

Als Basis sollte eine fett­re­du­zierte Kost gewählt werden, ansonsten wird die Harn­säu­re­aus­scheidung über die Niere redu­ziert und dadurch steigt die Serum-​Harnsäure. Bei Über­ge­wich­tigen ist eine langsame Gewichts­re­duktion durch eine puri­narme Reduk­ti­onskost mit regel­mä­ßigen Mahl­zeiten und aus­rei­chend kör­per­licher Bewegung anzu­streben, da durch eine starke Kalo­rien­re­striktion ver­mehrt Harn­säure pro­du­ziert wird.

Auf einen ver­mehrten Konsum von fett­re­du­zierten Milch­pro­dukten soll geachtet werden. Als Eiweiß­lie­fe­ranten können auch Eier her­an­ge­zogen werden. Emp­feh­lenswert ist ebenso der Konsum von Gemüse, auch von purin­reichem Gemüse. Zu meiden sind Alkohol, Kakao- und Scho­ko­la­de­ge­tränke sowie ein hoher Fruk­to­se­konsum. Alko­hol­ab­stinenz kann zu einer der wich­tigsten Maß­nahmen gezählt werden. Geeignete Getränke sind Wasser, Mine­ral­wasser, kalo­rienarme Limo­naden, Tee und in Maßen Kaffee.

Die Ver­zehrs­emp­fehlung von Fleisch liegt bei zwei bis drei Mal pro Woche, wobei Inne­reien, Nieren, Zunge, Leber, Herz, Geflü­gelhaut, Fleisch­bouillon und Wurst gemieden werden sollen. Pro Tag sollen nicht mehr als 100g Fleisch, Fisch, oder Geflügel/​-​waren gegessen werden. Suppen auf pflanz­licher Basis sind zu bevor­zugen. Der Fisch- und Scha­len­tier­verzehr soll auf ein bis zwei Mal pro Woche redu­ziert werden. Sar­dinen, Anchovis, Thun­fisch, Hering, Makrelen, Krabben, Muscheln, Forelle und Heilbutt werden als unge­eignet betrachtet. Es wird emp­fohlen, die Haut des Fisches nicht zu essen. Scholle, Schell­fisch, Rot­barsch und Aal zählen zu den geeig­ne­teren Fisch­arten.

Unge­eignete Nah­rungs­mittel mit nega­tiver Aus­wirkung sollen sel­tener und in kleinen Mengen kon­su­miert, aber nicht gänzlich weg­ge­lassen werden.

Emp­feh­lungen zur Ernäh­rungs­mo­di­fi­kation
  • Rotes Fleisch wie Schwein, Lamm, Rind, Inne­reien und daraus her­ge­stellte Pro­dukte nur selten und in geringen Mengen ver­zehren.
  • Mee­res­früchte, vor allem Muscheln und Krus­ten­tiere, nur selten genießen.
  • Alkohol, besonders Bier und Spi­ri­tuosen, meiden. Wein stellt hier das geringste Risiko dar.
  • Lebens­mittel mit hohem Fruk­to­se­gehalt wie Soft­drinks, Frucht­säfte und große Mengen Obst meiden; Light-​Getränke ohne Frucht­zucker stellen kein erhöhtes Risiko dar.
  • Regel­mä­ßiger Verzehr von fett­armen Milch­pro­dukten.
  • Auf eine aus­rei­chende Vitamin-​C-​Versorgung (täglich 95 bis 110mg für Erwachsene) achten; eine lang­fristige Zufuhr hoher Vitamin-​C- Dosen (≥1g/​Tag) wird jedoch nicht emp­fohlen.
  • Regel­mä­ßiger Kaf­fee­konsum.
  • Nor­males Kör­per­ge­wicht anstreben; bei Über­ge­wicht langsame Gewichts­re­duktion.
  • Min­destens zwei bis drei Mal pro Woche kör­per­liche Bewegung.