Mineralölrückstände? Säuglingsanfangsnahrung ist sicher

Dezember 2019 | Easy Reading

In letzter Zeit wurden mehrfach Berichte über Mine­ral­öl­rück­stände in Säug­lings­an­fangs­nah­rungen ver­öf­fent­licht, wobei sich Ökotest und Food­watch auf die­selbe, von Ökotest durch­ge­führte, Unter­su­chung beziehen. Unter­su­chungen des Gesund­heits­mi­nis­te­riums konnten die Befunde jedoch nicht bestä­tigen. In der Folge eine detail­lierte Stel­lung­nahme von Univ.-Prof. PD. Dr. Nadja Haiden stell­ver­tretend für die Ernäh­rungs­kom­mission der Öster­rei­chi­schen Gesell­schaft für Kinder- und Jugend­heil­kunde (ÖGKJ).

Sehr geehrte Kol­le­ginnen und Kol­legen, 


in letzter Zeit sind mehrfach Berichte über Mine­ral­öl­rück­stände in Säug­lings­an­fangs­nah­rungen ver­öf­fent­licht worden. Die Berichte von Ökotest und Food­watch beziehen sich alle auf ein und die­selbe Unter­su­chung, die von Ökotest durch­ge­führt wurde. Viele Kol­le­ginnen und Kol­legen sind dar­aufhin bezüglich der Sicherheit von Säug­lings­milchen ver­un­si­chert. Ebenso sind die Eltern von Säug­lingen ver­un­si­chert und es mehren sich die Berichte, dass nicht gestillten Säug­lingen wieder ver­dünnte Kuh­milch anstatt Säug­lings­milch gefüttert wird.
Mög­li­cher­weise sind Sie in Ihrer Bera­tungs­tä­tigkeit auch schon mit Fragen zu diesem Thema kon­fron­tiert worden. 

Deshalb wendet sich die Ernäh­rungs­kom­mission der Öster­rei­chi­schen Gesell­schaft für Kinder- und Jugend­heil­kunde mit fol­genden Infor­ma­tionen an Sie: 
Mine­ral­öl­ver­bin­dungen können in Lebens­mitteln vor­kommen. Sie gelangen aus unter­schied­lichen Ein­trags­quellen in die Lebens­mittel, wie zum Bei­spiel durch Schmier­stoffe aus Maschinen zur Ernte, im Herstellungs- oder Ver­pa­ckungs­prozess bezie­hungs­weise aus bestimmten Lebens­mit­tel­ver­pa­ckungen (z. B. aus Recy­cling­kartons). Mine­ralöle sind kom­plexe Gemische aus Koh­len­was­ser­stoff­ver­bin­dungen die in gesät­tigter (MOSH – mineral oil satu­rated hydro­carbons) und aro­ma­ti­scher Form (MOAH – mineral oil aro­matic hydro­carbons) vor­kommen. Natür­liche Kohlenwasserstoff-​Verbindungen in Pflan­zen­wachsen sind den MOSH in ihrer che­mi­schen Struktur sehr ähnlich und daher von diesen ana­ly­tisch schwer zu unter­scheiden.
Vor Weih­nachten gab es zu dem Thema eine Sitzung im Gesund­heits­mi­nis­terium, bei der Ver­treter der AGES anwesend waren. 

Fol­gende Punkte zum Thema Mine­ral­öl­rück­stände sind relevant: 

1) Es gibt derzeit keine Grenz­werte für Mine­ral­öl­rück­stände in Lebens­mitteln.

2) Zum gegen­wär­tigen Zeit­punkt herrscht Unklarheit, wie­viele MOSHs und MOHAs es über­haupt gibt und welche von Ihnen ein poten­ti­elles Gesund­heits­risiko darstellen- bzw. welche Beschwerden/​Krankheiten sie ver­ur­sachen können. 

3) Es ist unklar, welche Methoden bei der Unter­su­chung von Ökotest ange­wandt wurden – es gibt auch trotz Nach­frage keine Aus­kunft seitens Ökotest darüber.

4) Die Ergeb­nisse der von Ökotest ange­strebten Unter­su­chungen konnten in den­selben Chargen nicht repro­du­ziert werden – das Gesund­heits­mi­nis­terium hat hier Unter­su­chungen in unab­hän­gigen Labors durch­ge­führt.

5) Ökotest wurde mit­ge­teilt, dass ihre Befunde nicht bestätigt werden können. Die Zeit­schrift erklärte dazu, an ihren Ergeb­nissen gleichwohl fest­zu­halten und zudem an kei­nerlei Aus­tausch der ein­ge­schal­teten Ana­ly­sen­la­bo­ra­torien inter­es­siert zu sein. 

6) Es gibt daher auch keine Rück­hol­ak­tionen seitens des Gesund­heits­mi­nis­te­riums – auch keine Pro­dukt­warnung oder Emp­fehlung an die Kran­ken­häuser – die Rück­hol­ak­tionen wurden von den Her­stellern selbst getätigt und waren kei­nes­falls eine For­derung des Gesund­heits­mi­nis­te­riums auf­grund irgend­welcher Mängel. Säug­lings­milchen sind nach der­zei­tigem Wis­sens­stand sicher.
 

Stel­lung­nahme der AGES zur Foodwatch-​Warnung: 
https://www.ages.at/service/service-presse/pressemeldungen/ages-zu-mineraloel-rueckstaenden/
Stel­lung­nahme der AGES zu Mine­ral­öl­rück­ständen: 
https://www.ages.at/themen/rueckstaende-kontaminanten/mineraloele/ 

Wir hoffen Ihnen mit diesen Infor­ma­tionen hilf­reich gewesen zu sein.

 

Mit besten Grüßen

Univ.-Prof. PD. Dr. Nadja Haiden

stell­ver­tretend für die Ernäh­rungs­kom­mission der ÖGKJ