Kaffee auch nach Herzinfarkt

Jänner 2018 | Easy Reading

Kaffee ist eines der belieb­testen und am häu­figsten kon­su­mierten Getränke weltweit. Es gibt Hin­weise dafür, dass Kaffee (vor allem Fil­ter­kaffee) vor kar­dio­vasku­lären Erkran­kungen und ischä­mi­schen Herz­er­kran­kungen schützen und die Gesamt­mor­ta­lität senken kann. Es gibt aber nur limi­tierte Daten über die Asso­ziation zwi­schen dem Kaf­fee­konsum und dem Mor­ta­li­täts­risiko bei Pati­en­ten­kol­lek­tiven nach Herzinfarkten.

 

van Dongen LH, Mölenberg FJM, Soedamah-​Muthu SS, Kromhout D, Geleijnse JM: Coffee con­sumption after myo­cardial infarction and risk of car­dio­vascular mor­tality: a pro­spective ana­lysis in the Alpha Omega Cohort. Am J Clin Nutr 2017; 106: 1113–1120

Studiendesign

Ziel der vor­lie­genden Studie war die Unter­su­chung der Langzeit-​Assoziation zwi­schen kof­fe­in­hal­tigem und ent­kof­fe­iniertem Kaffee und kar­dio­vasku­lären Erkran­kungen, Herz­er­kran­kungen und Gesamt­mortalität. Die Stu­di­en­po­pu­lation wurde aus der sog. „Alpha Omega Kohorte“ gewählt. Es handelt sich dabei um eine nie­der­län­dische Inter­ven­ti­ons­studie über 3 Jahre mit über 4.000 Pro­banden zwi­schen 60 und 80 Jahren mit vor­an­ge­gan­genen Herz­in­farkten, die weniger als 10 Jahre zurückliegen.

Die Beur­teilung des Ernäh­rungs­ver­haltens und Kaf­fee­konsums erfolgte über ein 203-​item FFQ mit Fragen zu Häu­figkeit, Menge, Typ und Art der Zube­reitung des kon­su­mierten Kaffees. Die Menge konnte dabei pro Tasse (125ml), pro Glas (150ml) oder pro Häferl (187,5ml) ange­geben werden. Zusätzlich wurde die Zugabe anderer Stoffe (Süßungs­mittel, Milch, Zucker) erfragt. Die Pro­banden wurden anhand der Auf­nah­me­menge kategorisiert:

  • 0 – 2 Tassen/​d (0 – 250ml/​d)
  • > 2 – 4 Tassen/​d (> 250 – 500ml/​d)
  • > 4 Tassen/​d (> 500ml/​d)

Neben der Asso­ziation mit kar­dio­vasku­lären Erkran­kungen, Herz­er­kran­kungen und Mor­ta­lität wur­den auch andere Ein­fluss­fak­toren wie Geschlecht, Gewicht, Rauch­ver­halten, Vor­liegen von Dia­betes und gene­reller Gesund­heits­status berücksichtigt.

Resultate

Bei der vor­lie­genden Studie handelt es sich um eine pro­spektive Studie mit 4.365 nie­der­län­di­schen Pro­banden mit vor­an­ge­gan­genen Herz­in­farkten. Das durch­schnitt­liche Alter der Pro­banden lag bei 69 Jahren. 21% der Pro­banden waren weiblich und ca. 20% von Dia­betes betroffen. Der letzte Herzin­farkt lag durch­schnittlich 4 Jahre zurück. 96% der Pro­banden gaben an, regel­mäßig Kaffee zu trinken (70% kof­fe­in­hal­tigen, 11% ent­kof­fe­inierten und 15% beides). 4% tranken gar keinen Kaffee. Die durch­schnitt­liche Kaf­fee­auf­nahme lag bei 375ml/​d (ca. 3 Tassen täglich).

Pro­banden mit hohem Kaf­fee­konsum (> 500ml/​d) waren in der Regel jünger, eher männlich, häu­figer Raucher und tranken öfter auch Alkohol. Dafür kon­su­mierten sie in den meisten Fällen sel­tener grü­nen oder schwarzen Tee, gezu­ckerte Soft­drinks, Voll­korn­ge­treide, rotes und stark ver­ar­bei­tetes Fleisch, Milch­pro­dukte, Pflan­zenöle, Scho­kolade, Nüsse und Samen.

Die Auf­nahme von Fil­ter­kaffee (durch­schnittlich 375ml/​d) war mit einem gerin­geren kardiovasku­lären Risiko sowie einem gerin­geren Risiko für Herz­er­kran­kungen asso­ziiert. Dabei zeigten sich ähn­liche Ergeb­nisse für kof­fe­in­hal­tigen und ent­kof­fe­inierten Kaffee. Zusätzlich zeigte sich auch eine mög­liche Senkung des Risikos für Dia­betes als einer der Haupt­ri­si­ko­fak­toren für kar­dio­vaskuläre Erkrankungen.

Das nied­rigste Mor­ta­li­täts­risiko zeigte sich für Mengen von 500ml/​d. Höhere Mengen zeigten keinen zusätz­lichen Vorteil.

Conclusio

Ergeb­nisse der vor­lie­genden Studie zeigen, dass eine moderate Kaf­fee­auf­nahme (vor allem Filter­kaffee) auch nach Herz­in­farkten nicht redu­ziert werden muss. Fil­ter­kaffee (egal ob kof­fe­in­haltig oder ent­kof­fe­iniert) kann dazu bei­tragen, das Mor­ta­li­täts­risiko nach Herz­in­farkten zu senken. Weitere Studien wären nötig, um den Kaf­fee­konsum auch in Relation zum Schlag­an­fall­risiko zu untersuchen.

ÖAIE 2017; Fallmann K, Widhalm K

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