10in2®: Analyse der Trenddiät und deren Auswirkung

April 2015 | Fachlich-Sachlich

Verlauf von Kör­per­zu­sam­men­setzung und Nähr­stoff­zufuhr im Zug des 10in2®-Programms von Bernhard Ludwig

Ursula Ebner*, Marianne Tam­megger

Aus dem öster­rei­chi­schen Ernäh­rungs­be­richt 2012 ist ersichtlich, dass 52,3% der öster­rei­chi­schen Männer über­ge­wichtig bzw. adipös sind. Bei den öster­rei­chi­schen Frauen liegt die Prä­valenz von Über­ge­wicht und Adi­po­sitas bei 27,6% (vgl. Elmadfa et al. 2012, S. 125). Da Über­ge­wicht bzw. Adi­po­sitas mit vielen Beglei­ter­kran­kungen und Kom­pli­ka­tionen ver­knüpft ist, ver­an­lasst der der­zeitige Ernäh­rungs­zu­stand viele Öster­rei­che­rinnen und Öster­reicher zum Abnehmen. Seit einigen Jahren zählt die 10in2®-Methode in Öster­reich zu den Trend­diäten und viele Abnehm­willige wenden diese an. Auf­grund der hohen Nach­frage werden Diä­to­lo­ginnen und Diä­to­logen immer häu­figer mit dieser Methode kon­fron­tiert. Ziel dieser Bache­lor­arbeit ist es, das 10in2®-Pro­gramm von Bernhard Ludwig zu ana­ly­sieren.

Methodik

Die Methodik dieser Bache­lor­arbeit teilt sich in zwei Teile. Es wurde eine sys­te­ma­tische Lite­ra­tur­re­cherche durch­ge­führt, um einen Über­blick über die aktuelle Stu­di­enlage zu bekommen. Im zweiten Teil wurden Daten über die Ver­än­derung der Kör­per­zu­sam­men­setzung und der Nähr­stoff­zufuhr von Pro­ban­dinnen und Pro­banden, die diese Methode anwen­deten, aus­ge­wertet und dar­ge­stellt.

Defi­nition Ernäh­rungs­konzept 10in2®: 10in2® lässt sich einfach durch fol­gende Formel erklären: „Ein Tag essen (1), ein Tag nicht essen bezie­hungs­weise fasten (0) und das in zwei (in2) Tagen = 10in2.“ (Ludwig 2012, S. 52)

Design der Daten­aus­wertung: Es handelt sich um eine retro­spektive, anony­mi­sierte Daten­aus­wertung. Die Unter­su­chungs­gruppe setzte sich aus ins­gesamt 37 Per­sonen, davon 24 Frauen und 13 Männer, im Alter von 27 bis 70 Jahren, zusammen. Die Gruppe wurde ein Jahr begleitet, aber nicht diä­to­lo­gisch betreut. Zu Beginn (T=0), nach zwei Monaten (T=2), nach einem halben Jahr (T=6) und nach einem Jahr (T=12) wurden die Daten der 10in2®-Gruppe mittels Anthro­po­metrie erhoben. Ins­be­sondere wurden die Para­meter Kör­per­ge­wicht, BMI, Fett­masse, Mus­kel­masse und der Bauch­umfang (BU) unter­sucht. Weiters wurde von 16 Teil­neh­me­rinnen und Teil­nehmer (11 Frauen, 5 Männer) ein Ernäh­rungs­pro­tokoll, welches im unter­schied­lichen Ausmaß von 3 bis 15 Tage aus­ge­füllt wurde, aus­ge­wertet. Die Dropout-​Rate beträgt nach zwei Monaten 27% und nach einem Jahr 65%, das bedeutet, dass nur 13 Teil­neh­me­rinnen und Teil­nehmer zur End­kon­trolle erschienen sind.

Die Daten wurden einer­seits mittels dem Daten­aus­wer­tungs­prinzip Intention to treat (ITT) und ande­rer­seits mit der Completer-​Analyse aus­ge­wertet. Bei der ITT-​Analyse wurden alle Per­sonen mit ein­be­zogen, welche das 10in2®-Pro­gramm begonnen haben. Zusätzlich wurde bei jenen, die die 10in2®-„Diät“ abbrachen, die Methode Baseline Obser­vation Carried Forward (BOCF) ange­wendet. Demnach wird das End­ge­wicht dem Aus­gangs­ge­wicht gleich­ge­setzt. Die Completer-​Analyse bezieht sich nur auf jene Pro­ban­dinnen und Pro­banden, die an der Jah­res­end­kon­trolle teil­ge­nommen haben.

Ergebnisse Körperzusammensetzung

Die Ergeb­nisse werden einer­seits mit der Completer-​Analyse und ande­rer­seits mit der BOCF ITT-​Analyse aus­ge­wertet. In der Tabelle 1 werden der Gewichts­verlauf, die BMI-​Veränderung und der Bauch­umfang (BU) jener Teil­neh­me­rinnen und Teil­nehmer dar­ge­stellt, die zur End­kon­trolle erschienen sind.

Die Com­pleters erzielen einen Gewichts­verlust von 6,7kg (7,4%). Bei der BOCF ITT-​Analyse ver­ringert sich das Gewicht um 2,4kg (2,5%). Der BMI redu­ziert sich bei der Completer-​Analyse um ca. zwei Ein­heiten, bei der BOCF ITT-​Analyse um ca. eine Einheit. Der Bauch­umfang sinkt bei den Com­pleters um 5,7cm (5,2%) und bei der BOCF ITT Analyse um 2cm (1,8%).

Da nicht nur die Gewichts­re­duktion aus­schlag­gebend ist, sondern auch der Verlust der Fett- und Mus­kel­masse, wird die Ver­än­derung der Kör­per­zu­sam­men­setzung in Tabelle 2 und Tabelle 3 auf­ge­listet. Tabelle 2 zeigt, dass sich die Fett­masse im Ver­hältnis zum Gewicht bei der Completer-​Analyse um 3% redu­ziert hat und bei der BOCF ITT-​Analyse um 1%. Die Mus­kel­masse in Kilo­gramm nimmt ab, jedoch ist die pro­zen­tuelle Mus­kel­masse im Ver­hältnis zum Gewicht aus­schlag­ge­bender. Diese steigt bei den Com­pleters um 3%, bei der BOCF ITT-​Analyse um 1% an, siehe Tabelle 3.

Ergebnisse Ernährungsprotokolle

Die durch­schnitt­liche Ener­gie­auf­nahme laut den Ernäh­rungs­pro­to­kollen beträgt 1248 kcal. Der durch die BIA-​Messung ermit­telte durch­schnitt­liche Grund­umsatz liegt bei 1852 kcal pro Tag. Der Gesamt­ener­gie­bedarf ist von der kör­per­lichen Arbeit und von anderen Fak­toren abhängig. Da es sich bei den 10in2®-Pro­ban­dinnen und ‑Pro­banden um über­ge­wichtige Per­sonen handelt, ist von einem PAL (phy­sical activity level) von 1,4 aus­zu­gehen. Das bedeutet, dass im Durch­schnitt nur ca. die Hälfte der benö­tigten Energie durch die 10in2®-Diät auf­ge­nommen wird.

Die Aus­wertung der 10in2®-Daten ergibt, dass der größte Teil der Ener­gie­zufuhr durch Fett gedeckt wird, im Durch­schnitt 40%. Die 10in2®-Daten­aus­wertung zeigt einen deutlich erhöhten Anteil der gesät­tigten Fett­säuren (19%). Die einfach unge­sät­tigten Fett­säuren sind im emp­foh­lenen Bereich, jedoch liegen die mehrfach unge­sät­tigten Fett­säuren mit 5% der Gesamt­energie unter dem emp­foh­lenen Refe­renzwert. Mit 37% Koh­len­hy­drat­anteil liegt dieser unter der emp­foh­lenen Menge von über 50% der Nah­rungs­en­ergie, die Bal­last­stoff­zufuhr liegt mit 11g ca. 64% unter der emp­foh­lenen Zufuhr von 30g pro Tag (vgl. D‑A-​CH 2012, S. 59–64). Die Eiweiß­zufuhr mit 17% liegt nur knapp über dem Refe­renzwert von 15% der Gesamt­energie (vgl. D‑A-​CH 2012, S. 36).

Neben den Haupt­nähr­stoffen wird der kri­tische Nähr­stoff Calcium sowie das was­ser­lös­liche Vitamin C ana­ly­siert. Die Cal­ci­um­zufuhr der 10in2®-Pro­ban­dinnen und ‑Pro­banden liegt mit 642mg pro Tag um 36% unter dem D‑A-​CH-​Referenzwert von 1000mg täglich. Auch die Vitamin C Auf­nahme von 63mg täglich liegt deutlich unter der emp­foh­lenen Zufuhr von 100mg pro Tag.

Diskussion/​Schlussfolgerung

Das 10in2®-Pro­gramm punktet bei vielen Abnehm­wil­ligen durch die ein­fache Hand­habung. Da am Esstag selten die bedarfs­de­ckende Energie für zwei Tage auf­ge­nommen wird, redu­ziert sich auto­ma­tisch das Kör­per­ge­wicht. „Die Morgen darf ich essen was ich will Diät“ bietet eine Mög­lichkeit um lang­fristig Gewicht zu redu­zieren. Damit es bei der Lebens­sti­län­derung zu keinem Nähr­stoff­mangel kommt, ist während der Umstellung eine diä­to­lo­gische Betreuung emp­feh­lenswert. Um aus­sa­ge­kräf­tigere Ergeb­nisse über das 10in2®-Pro­gramm zu erhalten, wäre eine ran­do­mi­sierte, kon­trol­lierte Studie ver­gleichs­weise mit und ohne diä­to­lo­gi­scher Betreuung hilf­reich.

Kor­re­spondenz:

FH Gesund­heits­berufe OÖ

Ursula Ebner

E‑Mail: 1210658003@stud.fhgooe.ac.at

Lite­ratur:

DGE, ÖGE, SGE, SVE (Hrsg.) (2012): D‑A-​CH-​Referenzwerte für die Nähr­stoff­zufuhr. 1. Auflage, Neuer Umschau Buch­verlag, Neu­stadt an der Wein­straße.

Halberg, N. et al. (2005): Effect of inter­mittent fasting and refeeding on insulin action in healthy men. In: Journal of Applied Phy­siology, Vol. 99, No. 2128–2136.

Ludwig, B. (2012): Die Morgen darf ich essen was ich will Diät. 2. Auflage, Gräfe und Unzer, München.

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