Antikörper zur Senkung des LDL-Cholesterins

Juli 2015 | Easy Reading

Die Senkung über­höhter Cho­le­ste­rin­werte ist ein nach wie vor unge­löstes medi­zi­ni­sches Problem. Mit den derzeit zur Ver­fügung ste­henden Medi­ka­menten ist aus ver­schie­denen Gründen häufig keine aus­rei­chende Reduktion zu erzielen. Die For­schung arbeitet an Alter­na­tiven, die an unter­schied­lichen Angriffs­punkten ansetzen. Zu den viel­ver­spre­chendsten Wirk­stoffen gehören Anti­körper, die den Abbau von LDL-​C-​Rezeptoren verhindern. 

Mit den Sta­tinen wurde vor mehr als 20 Jahren eine effektive Senkung über­höhter LDL-​Cholesterinwerte auf medi­ka­men­tösem Weg ermög­licht. Für Hoch­ri­si­ko­pa­ti­enten, bei denen diese The­rapie nicht aus­reicht oder die Statine nicht ver­tragen, zeichnen sich nun neue The­ra­pie­mög­lich­keiten ab. Von den ver­schie­denen Wirk­prin­zipien, die derzeit unter­sucht werden, gilt der Einsatz von Anti­körpern als der viel­ver­spre­chendste und deren Ent­wicklung ist auch am wei­testen fortgeschritten.

Die Anti­körper, um die es hier geht, greifen am PCSK9 an, wobei PCSK9 für Pro­protein Con­vertase Subtilisin-​like/​Kexin Typ 9 steht. Seine Rolle im Stoff­wechsel besteht darin, LDL-​Rezeptoren dem lys­o­so­malen Abbau zuzu­führen. Wird es aus dem Verkehr gezogen, werden die mit Cho­le­ste­rin­mo­le­külen bela­denen LDL-​Rezeptoren nach Abgabe des Fett­stoffs im Zel­lin­neren nicht abgebaut, sondern gelangen wieder an die Zell­ober­fläche. Dort können sie weitere LDL-​Cholesterinpartikel auf­nehmen und so den LDL-​Cholesterinspiegel verringern.

Welche Bedeutung das PCSK9 im Stoff­wechsel hat, wird durch natürlich vor­kom­mende Gen­mu­ta­tionen ver­deut­licht. Bei einer Über­funktion von PCSK9 steigt die Abbaurate des LDL-​C-​Rezeptors. Damit ist ein hoher LDL-​Cholesterin-​Spiegel ver­bunden. Bei einer Über­funktion hin­gegen sinkt die Abbaurate der Rezep­toren. Damit ist ein nied­riger LDL-​Cholesterin-​Spiegel asso­ziiert, wobei auch ein im Ver­gleich zum Bevöl­ke­rungs­durch­schnitt deutlich gerin­geres Risiko für koronare Herz­krank­heiten beob­achtet wurde.

Vielversprechende Studienergebnisse

Im April dieses Jahres wurden im „New England Journal of Medicine“ bahn­bre­chende Studien publi­ziert. Dabei wurde bei ins­gesamt rund 6.700 Pro­banden unter­sucht, wie sich die Gabe von PCSK9-​Antikörpern bzw. „PCSK9-​Hemmern“ (Ali­ro­cumab und Evo­lo­cumab) zusätzlich zur Stan­dard­the­rapie mit Cho­le­ste­rin­senkern aus­wirkt. Bei den Pro­banden han­delte es sich um Hoch­ri­si­ko­pa­ti­enten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bei der Studie mit Ali­ro­cumab konnte der LDL-​Cholesterinspiegel trotz maxi­maler Sta­tin­the­rapie nicht unter 70mg/​dl gesenkt werden. In der Studie mit Evo­lo­cumab betrug der Aus­gangs­spiegel von LDL-​Cholesterin im Schnitt 120mg/​dl. In den gemein­samen Emp­feh­lungen der European Society of Car­diology und der European Athe­ros­cle­rosis Society wird für Hoch­ri­si­ko­pa­ti­enten ein Zielwert von 70mg/​dl empfohlen.

In beiden Unter­su­chungen kam es zu einer Reduktion des LDL-​Cholesterinspiegels um mehr als 60 Prozent. In der Unter­su­chung mit Evo­lo­cumab sank der Wert von durch­schnittlich 120 auf 48mg/​dl. Im Lauf der Beob­ach­tungszeit von einem bzw. ein­einhalb Jahren wurde in beiden Studien etwa eine Hal­bierung der Häu­figkeit akuter Herz-​Kreislauf-​Erkrankungen (töd­liche und nicht töd­liche Herz­in­farkte, Schlag­an­fälle und instabile Angina pec­toris) registriert.

Eine Unter­grenze für „ver­träg­liche“ LDL-​Cholesterinspiegel im Blut gibt es offenbar nicht. Mit den neuen Behand­lungs­kon­zepten kann das LDL-​Cholesterin sogar unter 50mg/​dl gesenkt werden, was in etwa den Werten von Neu­ge­bo­renen entspricht.

Erster PCSK9-​Hemmer zur Zulassung empfohlen

Als erster PCSK9-​Hemmer hat der Aus­schuss für Human­arz­nei­mittel der Euro­päi­schen Arz­nei­mit­tel­agentur EMA im Mai d.J. Evo­lo­cumab zur Zulassung emp­fohlen. Als Ein­satz­be­reich werden Hoch­ri­si­ko­pa­ti­enten emp­fohlen, wozu Pati­enten gehören, deren LDL-​Cholesterinwerte sich unter Stan­dard­the­rapie nicht auf den Zielwert senken lassen oder die eine Sta­tin­the­rapie nicht ver­tragen. Dazu zählen viele Per­sonen mit Familärer Hyper­cho­le­ste­rinämie. Deren hete­ro­zygote Form ist wesentlich häu­figer als bis vor kurzem ange­nommen, die homo­zygote Form ist zwar selten, aber durch dra­ma­tisch erhöhte Cho­le­ste­rin­spiegel und eine ent­spre­chend gra­vie­rende Gefähr­dungslage gekenn­zeichnet. Das Medi­kament wird als 140mg Injek­ti­ons­lösung in einer Fer­tig­spritze oder in einem vor­ge­füllten Injektor ver­ab­reicht. Bestehende lipid­sen­kende The­rapien sollten bei­be­halten werden, eine ent­spre­chende Diät sollte eben­falls ein­ge­halten werden, betont die EMA in einer Aussendung.

 

APA; Med­scape; EMA; Red.