Leichte Vollkost-​Studie 2013

August 2014 | Fachlich-Sachlich

Erhebung der Ver­träg­lichkeit aus­ge­wählter Lebens­mittel bei unse­lek­tierten Kran­ken­haus­pa­ti­enten in Österreich

Die Ver­pflegung im Kran­kenhaus hat besondere Qua­li­täts­an­sprüche zu erfüllen. Hierbei dient das Ratio­na­li­sie­rungs­schema 2004 [1] als wis­sen­schaft­liche Grundlage. Die Liste jener 52 Lebens­mittel und Speisen aus dem Ratio­na­li­sie­rungs­schema, die erfah­rungs­gemäß häufig Into­le­ranzen aus­lösen, stammt aus dem Jahr 1978 und stellt nach wie vor eine wichtige Grundlage für die Spei­se­plan­ge­staltung der Leichten Vollkost (LVK) dar. Jedoch haben sich in den letzten 35 Jahren sowohl die Lebens­mit­tel­ver­ar­beitung, als auch das Lebens­mit­tel­an­gebot und die Ernäh­rungs­ge­wohn­heiten stark ver­ändert. In einem fach­hoch­schul­über­grei­fendem Projekt der Stu­di­en­gänge Diä­to­logie wurde der Frage nach­ge­gangen, ob die damals erho­benen Häu­fig­keiten an Lebens­mit­tel­in­to­le­ranzen in Deutschland den aktu­ellen Unver­träg­lich­keiten von Kran­ken­haus­pa­ti­enten in Öster­reich entsprechen.

Ausgangslage

Eine optimale Ver­pflegung im Kran­kenhaus trägt wesentlich zum Wohl­be­finden und zur Genesung der Pati­enten bei. Neben medi­zi­ni­schen Maß­nahmen wird der The­ra­pie­erfolg auch durch die ernäh­rungs­phy­sio­lo­gische Qua­lität der Speisen bestimmt [2]. Somit hat die Ver­pflegung im Kran­kenhaus besondere Qua­li­täts­an­sprüche zu erfüllen. Das Ratio­na­li­sie­rungs­schema 2004 dient hierbei als wis­sen­schaft­liche Grundlage für die Zusam­men­stellung der Kost­formen [1].

Bei der Defi­nition der Vollkost im Ratio­na­li­sie­rungs­schema 2004 war – neben der prä­ven­tiven Aus­richtung – die Berück­sich­tigung the­ra­peu­ti­scher Aspekte neu. Das impli­ziert ebenso the­ra­peu­tische Aspekte der Leichten Vollkost, denn diese unter­scheidet sich defi­ni­ti­ons­gemäß von der Vollkost durch das Nicht­ver­wenden von Lebens­mitteln und Speisen, die erfah­rungs­gemäß häufig, z.B. bei mehr als 5% der Pati­enten, Unver­träg­lich­keiten aus­lösen [1]. Im deutsch­spra­chigen Raum wird die Leichte Vollkost in Ein­rich­tungen der insti­tu­tio­na­li­sierten Gesund­heits­ver­sorgung als gas­tro­en­te­ro­lo­gische Basisdiät ein­ge­setzt. Als Indi­kation gelten vor allem unspe­zi­fische Nahrungsmittelintoleranzen.

Eine Nah­rungs­mit­tel­in­to­leranz ist defi­niert durch den zeit­lichen Zusam­menhang der Auf­nahme bestimmter Nah­rungs­mittel und dem Auf­treten gastro­in­tes­ti­naler Sym­ptome [3]. Unspe­zi­fisch bedeutet hier uncha­rak­te­ris­tisch, nicht zu einem bestimmten Krank­heitsbild gehörend [4].

Die Liste jener 52 Lebens­mittel und Speisen[1] aus dem Ratio­na­li­sie­rungs­schema 2004, die erfah­rungs­gemäß häufig Into­le­ranzen aus­lösen [5], stammt aus dem Jahr 1978 und stellt nach wie vor die Grundlage für die Spei­se­plan­ge­staltung der Leichten Vollkost dar. Im modernen Ernäh­rungs­ma­nagement von Kran­ken­häusern haben Pati­enten häufig die Option der Menüwahl. Dennoch sollten indi­vi­duelle Lebens­mit­tel­in­to­le­ranzen abge­klärt und in der Spei­se­plan­ge­staltung sowie bei der Emp­fehlung zur Menüwahl berück­sichtigt werden. In Kli­niken, in denen die Speisen von einem externen Spei­sen­an­bieter oder einer Zen­tral­küche geliefert und in der Auf­be­rei­tungs­küche nur mehr rege­ne­riert werden, ist die Berück­sich­tigung indi­vi­du­eller Bedürf­nisse kaum möglich. Um Pati­enten mit Unver­träg­lich­keiten best­möglich zu ver­sorgen, muss in diesen Ein­rich­tungen die Leichte Vollkost nach wis­sen­schaftlich defi­nierten Stan­dards ange­boten werden [2].

Die For­schungs­er­geb­nisse zu den häu­figsten Lebens­mit­tel­in­to­le­ranzen bei Kran­ken­haus­pa­ti­enten, und somit die Grundlage der Leichten Vollkost, stammen aus einer Erhebung, die 1978 an deut­schen Kli­niken der alten Bun­des­länder[2] durch­ge­führt wurde [5]. In Öster­reich wurden bis dato keine ver­gleich­baren Studien rea­li­siert. In den letzten 35 Jahren haben sich sowohl die Lebens­mit­tel­ver­ar­beitung, als auch das Lebens­mit­tel­an­gebot und die Ernäh­rungs­ge­wohn­heiten stark ver­ändert [6]. Der Einsatz von Convenience-​Produkten ist, auch in der Spei­sen­her­stellung in Kli­niken, erheblich gestiegen [2]. Bei Pro­dukten mit hohem Convenience-​Grad sollte daher der Gehalt an Inhalts­stoffen, die Unver­träg­lich­keiten bei Per­sonen mit unspe­zi­fi­schen Into­le­ranzen her­vor­rufen können, bedacht werden. Hin­ter­grund des vor­lie­genden Pro­jektes ist es zu klären, ob die vor 35 Jahren erho­benen Häu­fig­keiten von Lebens­mit­tel­in­to­le­ranzen in Deutschland den aktu­ellen Unver­träg­lich­keiten von Kran­ken­haus­pa­ti­enten in Öster­reich ent­sprechen. Berück­sichtigt wird eben­falls das heute wesentlich umfang­rei­chere Lebensmittelangebot.

Methodik

In einem fach­hoch­schul­über­grei­fendem Projekt der Stu­di­en­gänge Diä­to­logie (sh. Kasten FH-​übergreifendes Team) wurden in einem ersten Schritt wis­sen­schaft­liche Emp­feh­lungen zur Behandlung unspe­zi­fi­scher gastro­in­tes­ti­naler Beschwerden sys­te­ma­tisch recher­chiert. Infor­ma­tionen zu Ver­füg­barkeit und Gebrauch lan­des­ty­pi­scher Lebens­mittel sowie all­gemein gel­tende Ernäh­rungs­emp­feh­lungen wurden über offi­zielle Home­pages der zustän­digen Behörden ermittelt. Ebenso erfolgte die Betrachtung leicht ver­dau­licher Kost­formen im inter­na­tio­nalen Ver­gleich. Recherchen dazu wurden in fol­genden Ländern durch­ge­führt: Italien, Slo­wenien, Ungarn, Irland, Groß­bri­tannien, Finnland, Nor­wegen, Schweden, Dänemark, Ver­ei­nigte Staaten von Amerika, Kanada, Aus­tralien und Neu­seeland. Mittels Inter­net­re­cherchen bei den jewei­ligen offi­zi­ellen Die­tetic Asso­cia­tions sowie Email-​Kontakt mit Experten und Diä­to­logen, konnten die in der inter­na­tio­nalen Praxis ange­wandten Methoden zur Behandlung von unspe­zi­fi­schen gas­tro­en­ter­lo­gi­schen Beschwerden erhoben werden.

In einem nächsten Schritt wurde mittels stan­dar­di­sierter Befragung eine Erhebung an Pati­enten durch­ge­führt. Als Instrument diente ein struk­tu­rierter Selbstausfüller-​Fragebogen. Im Mit­tel­punkt des For­schungs­in­ter­esses standen bei der Fra­ge­bo­gen­ent­wicklung jene Lebens­mittel, die laut Ratio­na­li­sie­rungs­schema 2004 an der Fünf-​Prozent-​Grenze zur Unver­träg­lichkeit liegen. Ebenso ein­be­zogen wurden aus­ge­wählten Lebens­mitteln die 1978 unüblich waren und nicht erhoben wurden (z.B. Brokkoli, Tofu). Zudem waren Lebens­mittel, die laut einer vor­an­ge­gan­genen Pilot­un­ter­su­chung der FH St. Pölten große Unter­schiede in der Ver­träg­lichkeit zur Into­le­ran­zen­liste von 1978 auf­wiesen (z.B. Oran­gensaft, Tomaten, Birnen und Nüsse) Gegen­stand der Unter­su­chung [7]. Schwer ver­träg­liche Lebens­mittel (z.B. Kraut, Kohl, Zwiebel) wurden in dieser Erhebung nicht berück­sichtigt. Weiters wurden Fragen zu Art und Dauer von Erkran­kungen sowie zu sozio­de­mo­gra­phi­schen Para­metern gestellt.

Die vor­lie­gende Unter­su­chung wurde als mul­ti­zen­trische Quer­schnitt­studie angelegt. Retro­spektiv wurden dabei Unver­träg­lich­keiten sowie übliche Kon­sum­ge­wohn­heiten aus­ge­wählter Lebens­mittel erhoben. Im April 2013 fanden jeweils an einem defi­nierten Stichtag in fünf öster­rei­chi­schen Kli­niken Pati­en­ten­be­fra­gungen statt. Die Pro­ban­den­re­kru­tierung erfolgt durch den sta­tio­nären Auf­enthalt am Tag der Befragung. Ein­ge­schlossen in die Unter­su­chung waren alle Pati­enten, die zum Stichtag über 18 Jahre alt waren und sich nicht in inten­siv­me­di­zi­ni­scher Betreuung befanden.

Internationaler Vergleich gastroenterologischer Diäten

Ein­heit­liche Stan­dards für eine gas­tro­en­te­ro­lo­gische Basisdiät sowie eine wis­sen­schaft­liche Basis für kli­nische Kost­formen konnten in den betref­fenden Ländern nicht ermittelt werden. All­gemein scheint jedoch das FODMAP-​Konzept[3] in der Ernäh­rungs­the­rapie bei Reiz­darm­syndrom an Bedeutung zu gewinnen. Laut den Richt­linien der Enhanced Recovery after Surgery (ERAS®) Society wird inter­na­tional emp­fohlen, Pati­enten die Spei­sen­auswahl auf Basis Vollkost so früh wie möglich selbst zu über­lassen [9]. Lebens­mit­tel­emp­feh­lungen im Rahmen von leicht ver­dau­lichen Kost­formen konnten nicht von offi­zi­ellen Stellen bezogen werden, da es augen­scheinlich keine all­gemein gül­tigen Rege­lungen in den jewei­ligen Ländern gibt. Auf die große Anzahl unter­schied­licher Erkran­kungen des Gastro­in­tes­ti­nal­traktes (GIT) sowie deren viel­fältige Behand­lungs­mög­lich­keiten wurde mehrmals hin­ge­wiesen [10, 11, 12, 13, 14].

In Irland und Groß­bri­tannien bilden Richt­linien wie jene des National Institute for Health and Cli­nical Excel­lence (NICE), der European Society for Cli­nical Nut­rition and Meta­bolism (ESPEN) und der Ame­rican Society for Par­en­teral and Enteral Nut­rition (ASPEN) die wis­sen­schaft­liche Basis. Sowohl in Irland als auch in Groß­bri­tannien gibt es keine ein­heit­liche gas­tro­en­te­ro­lo­gische Basisdiät. Pati­enten mit unspe­zi­fi­schen Nah­rungs­mit­tel­in­to­le­ranzen wählen aus der Standard-​Krankenhauskost (Vollkost) und ver­meiden dabei auf indi­vi­du­eller Basis sym­ptom­aus­lö­sende Lebens­mittel. Abhängig von den Beschwerden wird daher eine geeignete Kostform aus­ge­wählt, um gastro­in­tes­tinale Sym­ptome zu mildern bezie­hungs­weise den Ernäh­rungs­zu­stand zu ver­bessern [12]. In skan­di­na­vi­schen Ländern gibt es krank­heits­spe­zi­fische Diäten, die auch bei unspe­zi­fi­schen Beschwerden zum Einsatz kommen und der Leichten Vollkost ent­sprechen [14].

Betrachtet man öster­rei­chische Nach­bar­länder wie Italien, Slo­wenien und Ungarn, so scheint die Ein­schränkung der Lebens­mit­tel­auswahl in einem Ausmaß wie in der Leichten Vollkost emp­fohlen nicht gebräuchlich zu sein. Hin­sichtlich der Zube­rei­tungs­me­thoden von Speisen decken sich die unter­schied­lichen Richt­linien größ­ten­teils mit denen der Leichten Vollkost. Es scheint auch in den unter­suchten Ländern üblich zu sein, im Falle von Beschwerden, Erkran­kungen oder Ope­ra­tionen im GIT auf scho­nende Zube­rei­tungs­arten sowie milde Würz­technik zu achten. Die spe­zi­ellen Diäten für spe­zi­fische Erkran­kungen dif­fe­rierten hin­gegen stark, sodass ein direkter Ver­gleich nicht möglich ist. Diese sind län­der­intern geregelt und es gibt ent­spre­chende Richt­linien bezie­hungs­weise Grund­lagen für indi­vi­duelle Ent­schei­dungen über die Diät der Pati­enten [10].

Ver­glichen mit den kana­di­schen Ernäh­rungs­emp­feh­lungen bei chro­nisch ent­zünd­lichen Darm­er­kran­kungen, zeigen sich einige Gemein­sam­keiten mit der Leichten Vollkost. In beiden Fällen sind keine pau­schalen Lebens­mit­tel­ver­bots­listen auf­zu­stellen und die Ernährung basiert auf einer leicht ver­träg­lichen, bal­last­stoff­mo­di­fi­zierten Kost [11]. Ebenso sind die bal­last­stoff­mo­di­fi­zierten Kost­formen („Low Residue“, „Low Roughage“, „Light“) in Neu­seeland – in der Lebens­mit­tel­zu­sam­men­setzung und im Hin­blick auf die Zube­rei­tungs­arten – mit der Leichten Vollkost ver­gleichbar [12].

Ergebnisse der nationalen LVK-​Studie 2013

Mit der Befragung konnten ins­gesamt 563 Pati­enten erreicht werden. In die Ana­lysen wurden jene 446 Fra­ge­bögen inte­griert, bei welchen min­destens 50% aller Lebens­mit­telitems [15, 16] bezüglich der Ver­träg­lichkeit beant­wortet wurden. Tabelle 1 zeigt die Stich­pro­ben­be­schreibung. Wie ersichtlich ist, sind in der gesamten Stich­probe wie auch in den ein­zelnen Kran­ken­häusern (p=0,246) keine Unter­schiede bezüglich der Geschlech­ter­ver­teilung erkennbar. Das durch­schnitt­liche Alter der Befragten ent­spricht in etwa dem gesetz­lichen öster­rei­chi­schen Pen­si­ons­an­tritts­alter. Mit Aus­nahme der Eli­sa­be­thinen Graz waren Erwachsene (51–64 Jahre) bzw. Senioren (65–79 Jahre) die domi­nie­renden Alters­gruppen [17]. Aller­dings konnte weder bezüglich des mitt­leren Alters (p>0,050) noch der Alters­gruppen (p=0,547) Unter­schiede zwi­schen den betei­ligten Ein­rich­tungen errechnet werden. Erkran­kungen des Ver­dau­ungs­traktes ver­teilten sich gleich­mäßig zwi­schen den Kran­ken­häusern (p=0,444), den Geschlechtern (p=0,896) und dem Alter (mitt­leres Alter: p=0,152; Alters­gruppen: p=0,139).

Laut Selbstan­gaben waren 85 Per­sonen (21,5%) von Erkran­kungen im Ver­dau­ungs­trakt betroffen. Davon litten 22,4% an akuten und 77,6% an chro­ni­schen Beschwerden (siehe Abbildung 1). Dabei zeigten sich keine signi­fi­kanten Unter­schiede zwi­schen den Geschlechtern (p=0,339). Bei den 96 Per­sonen mit Erkran­kungen im GIT zählten Darm­er­kran­kungen mit 33,3% zu den häu­figsten und Leber­er­kran­kungen (4,3%) zu den sel­tensten Beschwerden. Bezüglich der Krank­heits­be­reiche konnten keine signi­fi­kanten Unter­schiede hin­sichtlich des Geschlechts (p=0,203) oder des Alters (mitt­leres Alter: p=0,166; Alters­gruppen: p=0,494) fest­ge­stellt werden. Lediglich 7% aller Befragten litten laut eigener Angaben an einer Unver­träg­lichkeit, 393 Per­sonen (88,1%) ver­neinten diese Frage und 22 (4,9%) konnten dazu keine Angabe machen. Die Lak­to­se­into­leranz zählte hier zu den am häu­figsten genannten Unverträglichkeiten.

Die Pati­enten wurden gebeten, Angaben zum Lebens­mit­tel­konsum und zur ‑ver­träg­lichkeit zu machen. Dabei wurde im Vorfeld erläutert, dass Lebens­mittel als schlecht ver­träglich gelten, wenn nach dem Essen Bauch­krämpfe, Blä­hungen, Druck im Bauchraum, Völ­le­gefühl, Durchfall, Ver­stopfung und/​oder Bauch­schmerzen ver­spürt werden. Aus den Angaben ist erkennbar, dass den Befragten der Unter­schied zwi­schen einer Unver­träg­lichkeit und einer Krankheit teil­weise nicht klar war. So wurden bei den Unver­träg­lich­keiten auch Erkran­kungen wie Dia­betes mel­litus oder Leber­zir­rhose genannt. Bei den Aus­wer­tungen zeigte sich, dass bei manchen Lebens­mitteln mehr als 20% der Teil­nehmer keine Angaben zur Ver­träg­lichkeit machten. Zu diesen Lebens­mitteln zählen Joghurtkäse, Fisch aus der Dose/​im Natursaft, Fisch aus der Dose/​in Öl ein­gelegt, Tofu und Mine­ral­wasser mit Geschmack. Die fol­genden Ergeb­nisse wurden unter Aus­schluss feh­lender Werte berechnet.

Im Zuge der Ana­lysen wurde ersichtlich, dass in diesem Kol­lektiv unter anderem Cham­pi­gnons, rohe Äpfel, Frucht­jo­ghurts, Pfeffer und Oran­gensaft von Per­sonen mit Erkran­kungen im GIT sowohl sel­tener kon­su­miert (p<0,050) als auch schlechter ver­tragen (p<0,050) wurden als von Men­schen ohne der­artige Beschwerden. Bei­spiels­weise essen knapp 90% der Pati­enten ohne Erkrankung im GIT grund­sätzlich Frucht­jogurt, jedoch nur knapp 70% der Pati­enten mit Erkrankung im GIT.

Ver­gleicht man Per­sonen mit und ohne Erkran­kungen im GIT, konnte auch fest­ge­stellt werden, dass bei­spiels­weise gekochte Fisolen, rohe Tomaten, gekochte Tomaten, rohe Birnen, Apfel­kom­potte, Par­mesan, Fisch aus der Dose/​in Öl ein­gelegt, Spei­seeis und Apfelsaft (p<0,050) sowie ten­den­ziell gekochter Brokkoli (p=0,050) von Men­schen mit Erkran­kungen im GIT gleich viel kon­su­miert wurde, aber schlechter ver­tragen wurde als von Pati­enten ohne Erkran­kungen im GIT. Ins­gesamt gaben 5,1% der Befragten an, gekochte Tomaten, z.B. als Soße, schlecht zu ver­tragen. Von den Pro­banden mit Erkran­kungen im GIT waren es 10,7%, bei jenen ohne Erkrankung im GIT hin­gegen nur 3,7%.

Die Daten zeigen, dass die Ver­träg­lichkeit auch von der Zube­reitung der Speisen abhängt. Vor allem Kochen (prohe Birnen=0,012 vs. pBir­nen­kompott=0,140), Zerkleinern/​Vermahlen (pgrobes Vollkorn=0,015 vs. pfein ver­mah­lenes Vollkorn=0,814) oder der Fett­gehalt (pFisch aus der Dose/​im Natursaft=0,208 vs. pFisch aus der Dose/​in Öl ein­gelegt=0,003) scheinen eine wesent­liche Rolle für die Ver­träg­lichkeit zu spielen. Lebens­mittel und Speisen, die weniger ver­zehrt werden, werden ten­den­ziell auch weniger ver­tragen. Die Ana­lysen weisen darauf hin, dass in der vor­lie­genden Studie die Mehrzahl der ver­gleich­baren Lebens­mittel schlechter als bei Rottka (1978) ver­tragen wurde. Diese Ergeb­nisse müssen aber vor dem Hin­ter­grund der unter­schied­lichen Stich­pro­ben­größe sehr vor­sichtig inter­pre­tiert werden.

Lebensmittelkonsum und ‑verträglichkeit: Geschlecht und Alter

Frauen gaben an, signi­fikant weniger Fisch aus der Dose/​in Öl ein­gelegt (p<0,001), Pfeffer (p=0,001) und Pfef­feroni (p<0,001) zu kon­su­mieren als Männer. Für alle anderen Lebens­mit­tel­gruppen konnten keine signi­fi­kanten Unter­schiede im Konsum oder der Ver­träg­lichkeit zwi­schen den Geschlechtern gezeigt werden (p>0,050).

Even­tuell basierend auf phy­sio­lo­gi­schen und psy­cho­lo­gi­schen Ver­än­de­rungen mit zuneh­mendem Alter [18, 19, 20] zeigen sich deut­liche Unter­schiede im berich­teten Konsum und der Ver­träg­lichkeit aus­ge­wählter Lebens­mittel zwi­schen Erwach­senen und Senioren. Mit zuneh­mendem Alter sanken Konsum (p<0,050) und Ver­träg­lichkeit (p<0,050) von Gurken, Pfef­feroni und Voll­kornbrot. Je älter die Teil­nehmer waren, desto sel­tener wurden rohe Tomaten (p=0,047) ver­tragen, ohne dass sich signi­fi­kante Unter­schiede zwi­schen den Alters­gruppen zeigten (p=0,676). Umso älter die Pro­banden waren, desto sel­tener wurden auch Natur­jo­ghurt, Frucht­jo­ghurt, Joghurtkäse, Oran­gensaft und Was­ser­me­lonen ver­zehrt (p<0,050). Trotz nicht­si­gni­fi­kanter Kor­re­lation bezüglich des Konsums von Brokkoli, Cham­pi­gnons und Bergkäse (p>0,050), zeigte der Chi-​Quadrat-​Test, dass 18- bis 24-​jährige Erwachsene diese Lebens­mittel sel­tener kon­su­mierten als die anderen Alters­gruppen (p<0,050). Je älter die Teil­nehmer waren, desto häu­figer wurden gekochte Fisolen, Spinat, Eier­schwammerl kon­su­miert (p<0,050). Den geringsten Konsum gaben bei diesen Lebens­mitteln Erwachsene (18–24 Jahre) an. Für alle anderen Lebens­mit­tel­gruppen konnten keine signi­fi­kanten Unter­schiede im Konsum oder der Ver­träg­lichkeit bezüglich des Alters errechnet werden (p>0,050).

Diskussion und Schlussfolgerungen

  • Aus den Angaben ist erkennbar, dass den Befragten der Unter­schied zwi­schen einer Unver­träg­lichkeit und einer Krankheit teil­weise nicht klar war. So wurden bei den Unver­träg­lich­keiten auch Erkran­kungen wie Dia­betes mel­litus oder Leber­zir­rhose genannt. Wie bereits erwähnt, zeigte sich bei den Aus­wer­tungen, dass bei manchen Lebens­mitteln mehr als 20% der Befragten keine Angaben zur Ver­träg­lichkeit machten. Even­tuell werden diese Lebens­mittel nicht gekannt oder nicht so häufig kon­su­miert, als dass die Ver­träg­lichkeit bewertet werden könnte.
  • Brokkoli wird von rund 88% in beiden Gruppen (mit und ohne Erkran­kungen im GIT) gegessen. Aller­dings geben doppelt so viele Pro­banden mit Erkran­kungen im GIT (12,9%) als Pro­banden ohne Erkrankung im GIT (6,5%) an, diesen nicht zu ver­tragen. Trotzdem ins­gesamt nur 21 Pati­enten (4,7%) im gesamten Kol­lektiv an einer Lak­to­se­into­leranz leiden, gaben 7,4% an, Natur­jo­ghurt nicht zu ver­tragen. Hin­gegen wird Frucht­jo­ghurt nur von 6,9% aller Befragten schlecht ver­tragen. Obwohl zu Beginn der Befragung darauf hin­ge­wiesen wurde, dass Lebens­mittel als schlecht ver­träglich gelten, wenn nach dem Essen Bauch­krämpfe, Blä­hungen, Druck im Bauchraum, Völ­le­gefühl, Durchfall, Ver­stopfung und/​oder Bauch­schmerzen ver­spürt werden, müssen hier Über­le­gungen ange­stellt werden, wie „gute“ oder „schlechte“ Ver­träg­lichkeit von Pati­enten auf­ge­fasst wurde. Es ist davon aus­zu­gehen, dass Vor­lieben und Abnei­gungen ebenso eine wesent­liche Rolle bei der Ver­träg­lichkeit von Lebens­mitteln und Speisen spielen.
  • Die Ana­lysen zeigen auch, dass in der vor­lie­genden Studie die Mehrzahl der ver­gleich­baren Lebens­mittel schlechter als bei Rottka (1978) ver­tragen wurde. Diese Ergeb­nisse müssen aber vor dem Hin­ter­grund der unter­schied­lichen Stich­pro­ben­größe als auch der unter­schied­lichen Erhe­bungs­in­stru­mente, sehr vor­sichtig inter­pre­tiert werden.
  • Die Frage, ob die vor 35 Jahren erho­benen Häu­fig­keiten an Lebens­mit­tel­in­to­le­ranzen in Deutschland den aktu­ellen Unver­träg­lich­keiten von Kran­ken­haus­pa­ti­enten in Öster­reich ent­sprechen, kann mit den vor­lie­genden Ergeb­nissen nicht klar beant­wortet werden. Jedoch ist auf­grund der Ver­än­derung der Ernäh­rungs­ge­wohn­heiten in den letzten 35 Jahren – auch bedingt durch neue Lebens­mit­tel­ver­ar­beitung und modernes Lebens­mit­tel­an­gebot (Convenience-​Produkte) – davon aus­zu­gehen, dass sich die Palette jener Lebens­mittel, die Into­le­ranzen her­vor­rufen, erweitert bzw. ver­ändert hat.
  • Um im intra­mu­ralen Bereich Pati­enten mit unspe­zi­fi­schen Lebens­mit­tel­in­to­le­ranzen nach aktu­ellen wis­sen­schaft­lichen Erkennt­nissen ver­sorgen zu können, wäre eine wei­ter­füh­rende, bun­des­län­der­über­grei­fende Unter­su­chung äußerst sinnvoll. Auf Basis dieser Erkennt­nisse könnte in Fach­gremien eine Adap­tierung der Leichten Vollkost vor­ge­nommen werden.

Daniela Wewerka-​Kreimel*, Eli­sabeth Höld, Jutta Möse­neder, Gabriele Karner

*Kor­re­spon­denz­adresse:

FH-​Prof. Daniela Wewerka-​Kreimel, MBA

Fach­hoch­schule St. Pölten GmbH
E: daniela.wewerka-kreimel@fhstp.ac.at

I: www.fhstp.ac.at

Fach­hoch­schul­über­grei­fendes Team:

Fach­hoch­schule St. Pölten GmbH, Stu­di­engang Diä­to­logie: FH-​Prof. Daniela Wewerka-​Kreimel, MBA www.fhstp.ac.at; FH-​Prof. Dr. Jutta Möse­neder; Sabine Aichmann, Bsc; Sandra Bauer, Bsc; Bettina Plank, Bsc

FH JOANNEUM GmbH Bad Glei­chenberg, Stu­di­engang Diä­to­logie: Anna Auer, BSc www.fh-joanneum.at/dio; Mühl Vanessa, BSc; Walcher Barbara, BSc

FH Gesund­heits­berufe OÖ GmbH, Stu­di­engang Diä­to­logie: Klaus Nigl, www.fh-gesundheitsberufe.at; Undesch Lisa, BSc

Lite­ratur:

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11. Bauer S. Die Leichte Vollkost im inter­na­tio­nalen Ver­gleich. Eine Erhebung zur Ver­träg­lichkeit von aus­ge­wählten Lebens­mitteln bei Pati­en­tInnen des Lan­des­kran­ken­hauses Salzburg (Bache­lor­arbeit). St. Pölten: Fach­hoch­schule St. Pölten GmbH, 2013

12. Plank B. Die Leichte Vollkost im inter­na­tio­nalen Ver­gleich – Eine Erhebung zur Ver­träg­lichkeit aus­ge­wählter Lebens­mittel bei Kran­ken­haus­pa­ti­en­tInnen am Bei­spiel des Hanusch Kran­kenhaus Wien (Bache­lor­arbeit). St. Pölten: Fach­hoch­schule St. Pölten GmbH, 2013

13. Undesch L. Die Leichte Vollkost – Eine Erhebung zur Ver­träg­lichkeit von aus­ge­wählten Lebens­mitteln bei Pati­en­tinnen und Pati­enten des Kran­ken­hauses der Eli­sa­be­thinen Linz (Bache­lor­arbeit). Linz: FH Gesund­heits­berufe OÖ GmbH, 2013

14. Walcher, B., Mühl, V. Lebens­mit­tel­auswahl und Zube­rei­tungs­arten bei leicht ver­dau­lichen Kost­formen in den USA und den nor­di­schen Staaten Län­der­spe­zi­fische Ver­zehr­ge­wohn­heiten und Ernäh­rungs­emp­feh­lungen (Bache­lor­arbeit). Bad Glei­chenberg: FH JOANNEUM Gesell­schaft mbH, 2013

15. Parr C, et al. Com­paring methods for handling missing values in food­fre­quency ques­ti­onn­aires and pro­posing k nearest neigh­bours. Public Health Nut­rition, 2007; 11(4): 361–370

16. Peyre H, Coste J, Leplège A. Iden­ti­fying type and deter­mi­nants of missing items in quality of life ques­ti­onn­aires: App­li­cation to the SF-​36 French version of the 2003 Decennial Health Survey. Health and Quality of Life Out­comes, 2010; 8:16

17. European Com­munity Health Indi­cators Moni­toring – ECHIM. Docu­men­tation Sheets; com­plete metadata for all ECHI shortlist indi­cators. 2013. [Online] Available at: http://www.echim.org/docs/documentation_sheets_2012.pdf, abge­rufen am 13.02.2014

18. Gre­gersen N, et al. Deter­mi­nants of appetite ratings: the role of age, gender, BMI, phy­sical activity, smoking habits and diet/​weight concern. Food and Nut­rition Research. 2011; Band 55: 7028

19. Donini L, Savina C, Can­nella C. Eating habits and appetite control in the elderly: the ano­rexia of ageing. Inter­na­tional Psy­cho­ger­iatrics. 2003; Band 15(1): 73–87

20. Elmadfa I, Leit­zmann C. Ernährung des Men­schen. Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co, Stuttgart. 2004


[1] Die Liste ist diä­to­lo­gi­sches All­ge­mein­wissen, daher wird an dieser Stelle auf die Dar­stellung oder genauere Erläu­terung verzichtet.

[2] Der Begriff „Alte Bun­des­länder“ umfasst die Bun­des­länder der Bun­des­re­publik Deutschland (West­deutschland) vor der Wie­der­ver­ei­nigung 1990 mit der ehe­ma­ligen DDR (Deutsche Demo­kra­tische Republik).

[3] Nach Gibson, R., Barrett, J.S. [8]