Enzyme in der Lebensmittelverarbeitung

August 2014 | Fachlich-Sachlich

Anfang des 20. Jahr­hun­derts haben Enzyme ihren bewussten und anwen­dungs­ori­en­tierten Eingang in die Lebens­mit­tel­her­stellung gefunden. In der modernen Lebens­mit­tel­pro­duktion sind sie unent­behrlich. Heute werden wahr­scheinlich mehr als 250 Enzyme mit sehr unter­schied­lichen Wir­kungs­weisen in allen Sparten der Lebens­mit­tel­ver­ar­beitung ein­ge­setzt. Ihr Anwen­dungs­spektrum erweitert sich ständig. 

Enzymen kam schon immer eine Bedeutung in der Lebens­mit­tel­ver­ar­beitung und Ver­edlung von Roh­stoffen zu. Zunächst wurden Enzyme völlig unbe­wusst ein­ge­setzt und ihre Anwen­dungen und Aus­wir­kungen auf das Lebens­mittel wurden von Generation zu Generation wei­ter­ge­geben. Das bekann­teste Bei­spiel hierfür ist sicherlich die Auf­be­wahrung von Milch in Schafs- oder Kamel­mägen zur Gewinnung von Dick­milch oder Käse. Die Wirk­stoffe waren (sind) hier die Enzyme „Lab-​Ferment“ und Pepsin. Erst Anfang des letzten Jahr­hun­derts haben Enzyme ihren bewussten und anwen­dungs­ori­en­tierten Eingang in die Lebens­mit­tel­her­stellung gefunden, in der modernen Lebens­mit­tel­pro­duktion sind sie unent­behrlich (1). Ihr Anwen­dungs­spektrum, nicht nur in der Lebens­mit­tel­ver­ar­beitung (Abb.1), erweitert sich ständig. Heute werden zahl­reiche Enzyme, wahr­scheinlich mehr als 250, mit sehr unter­schied­lichen Wir­kungs­weisen in allen Sparten der Lebens­mit­tel­ver­ar­beitung für die unter­schied­lichsten Zwecke ver­wendet (siehe Tabelle 1). Sie werden bei­spiels­weise in der Stär­ke­ver­ar­beitung, Back­in­dustrie, im Braue­rei­wesen oder in der Ölver­ar­beitung in großem Maßstab verwendet. 

In Back­waren, vor allem in Wei­zen­broten und Brötchen, ver­zögern sie das Alt­ba­cken­werden, erhalten die Frische und ver­bessern die Kruste; im Mehl hydro­ly­sieren sie den Kleber teil­weise und machen ihn „weicher“; in der Käse­ge­winnung legen sie die Milch „dick“ und inten­si­vieren den Käse­ge­schmack während der Reifung; bei der Fleisch­so­ßen­her­stellung spalten sie Pro­teine und ver­mitteln einen inten­si­veren Fleisch­ge­schmack; in Süß­speisen hydro­ly­sieren sie die Stärke und ver­mitteln ein bes­seres Mund- und Kau­gefühl; in der Wein- und Frucht­saft­her­stellung ver­bessern sie die Saft­aus­beute und erhöhen die Aro­ma­kom­po­nenten; im Bier redu­zieren sie den Koh­len­hy­d­rat­gehalt und erzeugen kalo­rienarme Biere; für Süß­speisen hydro­ly­sieren sie Mais­stärke und iso­me­ri­sieren Glucose zu Fructose; die süßere Fructose ver­mittelt den Erzeug­nissen den „light-​Charakter“. Neuere Anwen­dungen von Enzymen ist die Bereit­stellung von Lactose-​freien Lebens­mitteln durch den Einsatz von Lactase oder die Redu­zierung von Acrylamid durch den die Ver­wendung von Aspa­ra­ginase. Viel­leicht etwas zu Unrecht sind die soge­nannten Kle­be­enzyme wie Trans­glu­at­minase, Thrombin und Fibri­nogen im Zusam­menhang mit dem Ver­kleben von Fleisch­stückchen zu einem neuen kom­pakten Fleisch­stück in Verruf geraten. Eine eigent­liche Fleisch­kon­sistenz könnte hiermit leicht vor­ge­täuscht werden. 

Trotz der breiten und lang­fris­tigen Ver­wendung von Enzymen in den unter­schied­lichsten Lebens­mit­tel­gruppen sind kaum Berichte über gesund­heit­liche Gefährdung durch die orale Auf­nahme von Enzymen im ver­zehrsfä­higen Lebens­mittel in der Lite­ratur zu finden. Eine Aus­nahme bilden mög­liche All­ergien z.B. Bäcker­asthma. Diese All­ergien sind jedoch häufig inha­la­ti­ons­be­dingt (2,3).

Enzymquellen und Produktionsorganismen 

Die Gewinnung von Enzymen erfolgt über­wiegend aus natürlich vor­kom­menden Mikro­or­ga­nismen (Bak­terien, fila­mentöse Pilze und Hefen), die in der Praxis seit langem zum Einsatz kommen und auf­grund umfang­reicher Erfah­rungen als sicher und unbe­denklich gelten. Diese Orga­nismen haben den GRAS-​Status (Gene­rally Reco­gnized As Safe, USA) bzw. den QPS-​Status, (Qualified Presumption of Safety, EU). Heute werden viele dieser Enzyme und „neue“ Enzyme zunehmend mit Hilfe von gen­tech­nisch ver­än­derten Mikro­or­ga­nismen (GMMO) gewonnen, um eine höhere Aus­beute oder einen höheren Rein­heitsgrad zu erhalten oder um Enzyme an Pro­duk­ti­ons­be­din­gungen anzu­passen. Mehr als 90 Enzyme, die mit Hilfe von GMMO gewonnen werden, sind kom­mer­ziell erhältlich. Von der Anzahl der Enzyme her, spielen Pflanzen und Tiere nur eine unter­ge­ordnete Rolle (Tab. 2). Auf dem euro­päi­schen Markt wurden 2009 ca. 1.800 Enzym­prä­parate ange­boten, wobei ein­zelne Enzyme mehrfach ver­treten sind. So sind zum Bei­spiel etwa 25 Prä­parate der alpha-​Amylase erhältlich. 

Gesetzliche Regelungen 

Abge­sehen von den all­ge­meinen Grund­sätzen des Lebens­mit­tel­rechts oder der Basis­ver­ordnung (VO (EG) Nr. 178/​2002)) (4), bestanden bisher keine ein­heit­lichen Rege­lungen für Enzyme, die wie Ver­ar­bei­tungs­hilfs­stoffe ver­wendet wurden. In den meisten Mit­glieds­ländern der EU waren Enzyme vom all­ge­meinen Verbot der Ver­wendung von Zusatz­stoffen mit Zulas­sungs­vor­behalt aus­ge­nommen. In Dänemark und Frank­reich zum Bei­spiel sind Enzyme zulas­sungs­pflichtig und benö­tigen hierfür eine Sicher­heits­über­prüfung durch die ent­spre­chende nationale Behörde. In Dänemark z.B. wird ein Zulas­sungs­ver­fahren bereits seit Mitte 1978 prak­ti­ziert. In der EU waren bisher nur die­je­nigen Enzyme ein­heitlich geregelt, die im ver­zehr­fer­tigen Lebens­mittel noch eine Funktion bzw. enzy­ma­tische Akti­vität ausüben (z.B. Invertase in Mar­zipan und Lysozym als Kon­ser­vie­rungs­stoff). Daneben bestehen einige spe­zi­fische, pro­dukt­be­zogene Rege­lungen, z. B. zu Fruchtsaft und Wein (Tab. 3) (5).

Ziel: Einheitliche EU-Regeln

Zur Har­mo­ni­sierung der unter­schied­lichen natio­nalen Rege­lungen im Zusatz­stoff­be­reich trat in der EU nach dem 20. Januar 2009 das Food Impro­vement Agent Package in Kraft. Das „Package“ beinhaltet die Ver­ord­nungen (EC) Nr. 1331/​2008 über das ein­heit­liche Zulas­sungs­ver­fahren (6), (EG) Nr. 1332/​2008 über Lebensmittelenzyme(7), (EG) Nr. 1333/​2008 über Zusatz­stoffe (8) und (EG) Nr. 1334/​2008 (9) über Aromen. Den stoff­be­zo­genen Ver­ord­nungen lag der Grund­ge­danke eines vor­beu­genden Ver­brau­cher­schutzes zugrunde, nämlich dass 

  • eine Not­wen­digkeit für die Ver­wendung der Stoffe besteht,
  • von den Stoffen keine gesund­heit­liche Gefährdung für den Ver­braucher ausgeht und
  • ihre Ver­wendung nicht zu einer Irre­führung des Ver­brau­chers führt.

In ein­zelnen spe­zi­fi­schen Ver­ord­nungen werden Enzyme ((EG) Nr. 1332/​2008), Aromen((EG) Nr. 1334/​2008) und Zusatz­stoffe ((EG) Nr. 1333/​2008) EU-​einheitlich neu regu­liert. Zusätzlich wurde ein zwar stoff­spe­zi­fi­sches aber EU-​einheitliches Zulas­sungs­ver­fahren ((EC) Nr. 1331/​2008) fest­gelegt. Die Stoffe werden nach ihrer posi­tiven Sicher­heits­be­wertung durch die Euro­päische Behörde für Lebens­mit­tel­si­cherheit (EFSA) von der EU-​Kommission zuge­lassen und in eine stoff­spe­zi­fische Gemein­schafts­liste (Union List) auf­ge­nommen. Nur Stoffe, die in dieser Gemein­schafts­liste auf­ge­nommen sind, dürfen dann zukünftig für die Lebens­mit­tel­her­stellung ver­wendet werden. 

Die Ver­ordnung über Lebens­mit­tel­enzyme beinhaltet weit­rei­chende Ände­rungen. Sie gilt grund­sätzlich für alle Lebens­mit­tel­enzyme, unab­hängig davon, ob sie im End­le­bens­mittel aktiv, inaktiv oder gar nicht mehr ent­halten sind. Alle Lebens­mit­tel­enzyme bedürfen einer Sicher­heits­be­wertung durch die EFSA und einer Zulassung durch die EU-​Kommission. Nicht unter die Ver­ordnung fallen Enzyme, die aus­schließlich bei der Her­stellung von Lebens­mit­tel­zu­satz­stoffen ver­wendet werden, die unter die Ver­ordnung (EG) Nr.1333/2008 fallen oder als Ver­ar­bei­tungs­hilfs­stoffe dienen. Ebenso unter­liegen Enzyme, die zu Ernäh­rungs­zwecken ver­wendet werden, nicht der Verordnung. 

 

Nach der Verordnung sind Lebensmittelenzyme definiert als 

  • ein Erzeugnis, das aus Pflanzen, Tieren oder Mikro­or­ga­nismen oder daraus her­ge­stellten Erzeug­nissen gewonnen wird; dazu gehört auch ein Erzeugnis, das durch ein Fer­men­ta­ti­ons­ver­fahren mit Mikro­or­ga­nismen gewonnen wird, und 
  • ein Enzym oder mehrere Enzyme enthält, die die Fähigkeit besitzen, eine spe­zi­fische bio­che­mische Reaktion zu kata­ly­sieren, und 
  • einem Lebens­mittel zuge­setzt wird, um auf jeder Stufe der Her­stellung, Ver­ar­beitung, Zube­reitung, Behandlung, Ver­pa­ckung, Beför­derung oder Lagerung von Lebens­mitteln einen tech­no­lo­gi­schen Zweck zu erfüllen.

 

Sicherheitsbewertung

In der Lite­ratur exis­tieren mehre Vor­schläge aus Wis­sen­schaft (10) und Wirt­schaft (11) zu Ele­menten für eine Sicher­heits­be­wertung von Lebens­mit­tel­en­zymen. Ebenso wurden von inter­na­tio­nalen Orga­ni­sa­tionen wie die JECFA (12) oder der FAO/​WHO (13) Richt­linien zur Sicher­heits­be­wertung von Enzymen erar­beitet. Der Wis­sen­schaft­liche Lebens­mit­tel­aus­schuss der EG (SCF) ver­öf­fent­lichte 1992 Leit­linien zur Bewertung der gesund­heit­lichen Unbe­denk­lichkeit von Enzymen (14). Bislang haben sich Enzym­her­steller an diesen Richt­linien ori­en­tiert. Mit der Ver­ab­schiedung der Enzym­ver­ordnung bestand für die EFSA die Not­wen­digkeit, eine Leit­linie zu den vor­zu­le­genden Daten zu erar­beiten, die sie für eine Sicher­heits­be­wertung für not­wendig erachtet. Die Leit­linie (Gui­dance on the sub­mission of a Dossier on Food Enzymes for Safety Eva­luation by the Sci­en­tific Panel of Food Contact Mate­rials, Enzymes, Fla­vou­rings and Pro­cessing Aid) (15) umfasst neben den ver­wal­tungs­mä­ßigen Daten sechs Haupt­ele­mente (Abb.2).

Daten zu dem Enzym, die neben den enzy­ma­ti­schen Eigen­schaften auch eine weit­ge­hende che­mische und physiko-​chemische Analyse umfassen, werden im 1. Element ver­langt. Letz­teres beinhaltet auch Nach­weise zu mög­lichen Gehalten an Schwer­me­tallen oder mikro­biellen Toxinen und Infor­ma­tionen zur Reinheit (Ein­heit­lichkeit) des Enzyms. Das 2. Element fragt nach der Enzym­quelle, ob das Enzym aus einem Tier, einer Pflanze, einem höheren Pilz oder aus einem Mikro­or­ga­nismus gewonnen wurde. Diese Infor­ma­tionen sind not­wendig, um den Übergang mög­licher gesund­heits­ge­fähr­dender Stoffe aus den Orga­nismen in das Isolat des Lebens­mit­tel­enzyms während der Extraktion oder Fer­men­tation abschätzen zu können. Im engen Zusam­menhang dazu steht Element 3: Infor­ma­tionen über die Fer­men­tation und den Gewin­nungs­prozess. Element 4 ergibt sich bereits aus den gesetz­lichen Vor­gaben. Die Not­wen­digkeit des Enzyms für den spe­zi­fi­schen Zweck muss hin­rei­chend begründet werden und die vor­ge­se­henen Ein­satz­be­reiche müssen dar­gelegt werden. Hieraus kann dann wie im Element 5 gefordert, einer­seits die Expo­sition von Ver­brau­chern mit dem ent­spre­chenden Enzym abge­leitet werden und ander­seits lassen sich Rück­schlüsse auf den Ver­bleib des Enzyms während des Ver­ar­bei­tungs­pro­zesses des Lebens­mittels ziehen. Element 6 beinhaltet die toxi­ko­lo­gi­schen Unter­su­chungen ein­schließlich Aus­sagen (Infor­ma­tionen) zu einem mög­lichen all­er­genen Potenzial des Enzym­pro­teins. Grund­sätzlich bestehen für die hoch­mo­le­ku­laren Enzym­pro­teinen kaum toxi­ko­lo­gische Bedenken, aber Lebens­mit­tel­enzyme werden in der Regel nicht in iso­lierter, reiner Form, sondern als Isolate aus den Her­kunfts­or­ga­nismen ver­wendet. Daher werden für die toxi­ko­lo­gi­schen Unter­su­chungen zwei in vitro-Tests zur Geno­to­xi­zität und eine Füt­te­rungs­studie (90 Tage) vor­ge­schlagen. Bei posi­tiven Ergeb­nissen aus den Test auf Geno­to­xi­zität müssen zusätz­liche in vivo Unter­su­chungen durch­ge­führt werden (Tab. 3). Wichtig ist, dass für die toxi­ko­lo­gi­schen Unter­su­chungen kein spe­ziell auf­be­rei­tetes Enzy­m­isolat ver­wendet werden darf, sondern es muss eines sein, das reprä­sen­tativ für diese Enzym­pro­duktion ist. 

Auch Enzym­pro­teine können all­er­gische Reak­tionen aus­lösen, aber bislang gibt es keine vali­dierten in-​vitro-Methoden, mit denen das all­er­gische Potential eines Pro­teins hin­rei­chend bewertet werden kann. Hin­weise auf ein mög­liches all­er­genes Potential können aus Struk­tur­ver­gleichen (Ami­no­säu­re­se­quenzen) des zu bewer­tenden Enzyms mit bekannten All­er­genen und durch Ver­dau­lich­keits­studien mit Pepsin abge­leitet werden. Für Enzyme, die mit Hilfe von gen­tech­nisch ver­än­derten Mikro­or­ga­nismen gewonnen werden, sind keine beson­deren oder zusätz­lichen Sicher­heits­be­wer­tungen vor­ge­sehen; jedoch müssen die Pro­duk­ti­ons­or­ga­nismen den Sicher­heits­an­for­de­rungen aus den Leit­linien für gen­tech­nisch ver­än­derte Mikro­or­ga­nismen (16) ent­sprechen oder bereits eine EU-​Zulassung für Lebens­mit­tel­zwecke besitzen. 

Sonderregelungen 

Abwei­chungen von den vor­ge­schla­genen toxi­ko­lo­gi­schen Unter­su­chungen sind in begrün­deten Fällen möglich. So können zum Bei­spiel für Enzyme, die bereits eine lange und sichere Tra­dition in der Lebens­mit­tel­ver­ar­beitung (Lab-​Enzyme) auf­weisen oder Enzyme aus Mikro­or­ga­nismen, die den QPS-​Status auf­weisen, die toxi­ko­lo­gi­schen Unter­su­chungen redu­ziert werden oder ganz ent­fallen. In der Leit­linie der EFSA waren diese Abwei­chungen möglich, sie wurden aber mit Ver­ab­schiedung der Kom­mis­si­ons­ver­ordnung 562/​1012 (17) nun gesetzlich fest­gelegt. Toxi­ko­lo­gische Unter­su­chungen können nun ent­fallen, wenn Lebens­mit­tel­enzyme aus ess­baren Teilen von Pflanzen oder Tieren extra­hiert oder aus Mikro­or­ga­nismen mit QPS-​Status fer­men­tativ gewonnen werden. Zusätzlich wurde eine Grup­pen­si­cher­heits­be­wertung von Enzymen unter­schied­licher Her­steller möglich. Vor­aus­setzung hierfür ist, dass die Enzyme die­selbe kata­ly­tische Wirkung auf­weisen, aus der­selben Quelle (ess­barer Teile einer Pflanzen, eines Tieres oder einem spe­zi­ellen Mikro­or­ga­nismus mit QPS-​Status) stammen und durch im Wesent­lichen iden­tische Ver­fahren gewonnen werden. Ferner ist eine Grup­pierung von Enzymen möglich, die aus Mikro­or­ga­nismen gewonnen worden, die bereits nach den SCF-​Leitlinien bewertet wurden und von Dänemark oder Frank­reich zuge­lassen sind. 

Die Mög­lichkeit der Grup­pierung von Enzymen unter den genannten Vor­aus­set­zungen wird sicherlich die Ein­rei­chung von Dos­siers durch die unter­schied­lichen Enzym­her­steller redu­zieren. Für Enzyme aus gen­tech­nisch ver­än­derten Orga­nismen ist keine Grup­pierung möglich. Es muss für jedes Enzym ein sepa­rater Antrag ein­ge­reicht werden. Ebenso sind die Erleich­te­rungen in den toxi­ko­lo­gi­schen Tests für diese Enzyme nicht vorgesehen. 

Zulassungsverfahren

Mit Ver­ab­schiedung des FIA-​Package konnten jedoch noch nicht alle gesetz­lichen Vor­gaben umge­setzt werden. Das betrifft ins­be­sondere das gemeinsame Zulas­sungs­ver­fahren. Das Zeit­fenster für die Ein­rei­chung von Zulas­sungs­an­trägen und die Erstellung der Union-​List ist in Abb. 3 wie­der­geben. Mit Durch­füh­rungs­ver­ordnung (EU) Nr. 234/​2011 (18) wurden Vor­gehen und Vor­gaben für die Ein­rei­chung von Dos­siers nach dem FIA-​Package geregelt (Abb.4). Für die Enzyme bedeutete dies, dass ab 11.09.2011 „Enzym-​Dossiers“ bei der Kom­mission ein­ge­reicht werden konnten, wobei die Kom­mission zunächst die Anträge auf Voll­stän­digkeit ent­spre­chend VO (EU) Nr. 234/​2011 über­prüft und an die EFSA wei­ter­leitet. Die EFSA hat 30 Arbeitstage Zeit zur Sichtung, ob die ein­ge­reichten Unter­lagen eine Sicher­heits­be­wertung erlauben. Im posi­tiven Fall kann dann die EFSA „offi­ziell“ mit dem Ver­fahren beginnen, im nega­tiven Fall wird der Antrag über die Kom­mission an den Antrag­steller zurück­ge­wiesen. Mit Inkraft­treten der VO (EU) 234/​2011 war die Zeit für Ein­rei­chungen von Zulas­sungs­an­trägen bis zum 11.09.2013 beschränkt. In der Zwi­schenzeit zeigte sich aber, dass diese Zeit zu kurz gewählt war und mit Ver­ordnung (EU) Nr. 1159/​2012 (19) wurde diese Zeit nun bis zum 11. März 2015 ver­längert. Bis dahin müssen Anträge auf bislang kom­mer­zia­li­sierte Enzyme ein­ge­gangen sein. Diese Enzyme werden in ein vor­läu­figes Register auf­ge­nommen und nur noch diese Enzyme dürfen dann für die Lebens­mit­tel­pro­duktion ver­wendet werden. Alle Enzyme, die dann von der EFSA hin­sichtlich ihrer gesund­heit­lichen Unbe­denk­lichkeit positiv bewertet wurden, werden in die Union-​Liste auf­ge­nommen. Gegen­wärtig werden 250 bis 280 Anträge auf eine Zulassung erwartet. Auch nach dem 11.03.2015 werden sicherlich noch neue Enzyme ent­wi­ckelt werden, aber diese Enzyme müssen dann den gesamten Zulas­sungs­prozess durch­laufen, bevor sie auf den Markt gebracht werden dürfen. Die Aus­ge­staltung der Union-​Liste ist noch nicht end­gültig fest­gelegt, aber sie wird auf jeden Fall den Namen des Enzyms, dessen Spe­zi­fi­kation und Eigen­schaften, Bedin­gungen für die Ver­wendung und Anwen­dungs­be­reiche für bestimmte Lebens­mit­tel­ka­te­gorien, aber auch mög­liche Ein­schrän­kungen und zusätz­liche Hin­weise für eine Kenn­zeichnung enthalten. 

Kennzeichnung

Für Lebens­mit­tel­enzyme werden ein­heit­liche Rege­lungen für die Kenn­zeichnung fest­gelegt. Hierbei wird – wie auch in den Ver­ord­nungen – zwi­schen den Kenn­zeich­nungs­ver­pflich­tungen bei einer Abgabe an End­ver­braucher und an Wei­ter­ver­ar­beiter bzw. Lebens­mit­tel­pro­du­zenten unter­schieden. Die Kenn­zeich­nungs­vor­schriften bei Abgabe von Lebens­mit­tel­en­zymen sind umfassend; sie ent­halten vor­wiegend tech­nische Angaben.

  • Die Kenn­zeichnung von Enzymen am ver­zehrsfä­higen End­produkt ändert sich für den Ver­braucher nicht. Wei­terhin werden nur die Enzyme kenn­zeich­nungs­pflichtig sein, die im End­produkt noch enzy­ma­tisch aktiv sind.
  • Ebenso sind Enzyme, die mit Hilfe gen­tech­nisch ver­än­derter Mikro­or­ga­nismen her­ge­stellt wurden, wei­terhin nicht kennzeichnungspflichtig.

Mög­li­cher­weise werden in Zukunft Enzyme hin­sichtlich der Kenn­zeichnung ebenso behandelt wie Zusatz­stoffe. Alle Enzyme, die noch im ver­zehrsfä­higen Lebens­mittel vor­handen sind – auch dann wenn sie keine Funktion mehr ausüben – werden dann kennzeichnungspflichtig. 

 

Kor­re­spondenz:

Prof. Dr. Klaus-​Dieter Jany 

76351 Linkenheim-​Hochstetten, Nel­kenstr. 36 

E‑mail: kd.jany@t‑online.de

 

Refe­renzen:

1) Jany, K.-D. Natur­wis­sen­schaft­liche Aspekte der Gen­technik in der Lebens­mit­tel­pro­duktion. In: Ethik in den Bio­wis­sen­schaften Band 13: Gen­technik in der Lebens­mit­tel­pro­duktion – Natur­wis­sen­schaft­liche, recht­liche und ethische Aspekte. Hsg. Sturma, D. Lanz­zerath, Hein­richs, B. Karl Alber Verlag (2011) pp. 13–55

2) Bindslev-​Jensen, C.: Inves­ti­gation on pos­sible aller­ge­nicity of 19 dif­ferent com­mercial en-​zymes used in food industry, Food and Che­mical Toxi­cology 44,1909–1915 (2006)

3) Spök, A.: Safety Regu­la­tions of Food Enzymes, Food Technol. Bio­technol. 44,197–209 (2006)

4) Ver­ordnung (EG) Nr. 178/​2002 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 28. Januar 2002 zur Fest­legung der all­ge­meinen Grund­sätze und Anfor­de­rungen des Lebens­mit­tel­rechts, zur Errichtung der Euro­päi­schen Behörde für Lebens­mit­tel­si­cherheit und zur Fest­legung von Ver­fahren zur Lebens­mit­tel­si­cherheit. Amts­blatt L 31, 1 ff (2002)

5) Richt­linie 2001/​112/​EG über Frucht­säfte und bestimmte gleich­artige Erzeug­nisse für die mensch­liche Ernährung, Anlage 4 B. Amts­blatt L 10, S. 58 (2002)

6) Verordnung(EG) Nr. 1331/​2008 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über ein ein­heit­liches Zulas­sungs­ver­fahren für Lebens­mit­tel­zu­satz­stoffe, ‑enzyme und ‑aromen. Amts­blatt L 354, S. 1 ff (2008)

7) Verordnung(EG) Nr. 1332/​2008 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über Lebens­mit­tel­enzyme und zur Änderung der Richt­linie 83/​417/​EWG des Rates, der Ver­ordnung (EG) Nr. 1493/​1999 des Rates. Amts­blatt 354, S. 7 ff (2008)

8) Verordnung(EG) Nr. 1332/​2008 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über Aromen und Lebens­mit­tel­zu­taten mit aro­ma­ti­sierten Eigen­schaften. Amts­blatt L 354, S. 34 ff (2008)

9) Verordnung(EG) Nr. 1333/​2008 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über Lebens­mit­tel­zu­satz­stoffe. Amts­blatt L 354, 16 ff (2008)

10) Pariza and Johnson (2001): Eva­luating the Safety of Microbial Enzyme Pre­pa­ra­tions Used in Food Pro­cessing: Update for a New Century, Regu­latory Toxi­cology and Phar­ma­cology 33,173–186

11) AMFEP (2009): Guide to the safe handling of microbial enzyme preparations. 

http://amfep.drupalgardens.com/sites/amfep.drupalgardens.com/files/Guide-Safe-Handling.PDF#overlay-context=content/documents

12) Food and Nut­rition Paper No49. JECFA, 35th Session. (1990). Spe­ci­fi­ca­tions for identity and purity of certain food addi­tives. Tech­nical Report Series 789. WHO, Geneva. FAO (1990).

13) Joint FAO/​WHO Expert Com­mittee on Food Addi­tives (1990): General Spe­ci­fi­ca­tions for Enzyme Pre­pa­ra­tions Used in Food Pro­cessing, New York, United Nations 

14) Gui­de­lines for the pre­sen­tation of data on food enzymes. Opinion expressed 11 April 1991. Reports of the Sci­en­tific Com­mittee for Food, 27th. EUR 14181 EN, Luxem­bourg 1992, S .15 ff, Sci­en­tific Com­mittee on Food (1992): Gui­de­lines for the Pre­sen­tation of Data on Food Enzymes, Food, Science and Tech­niques: Reports of the Sci­en­tific Com­mittee for Food pp. 13–22

15) EFSA: Gui­dance of the Sci­en­tific Panel of Food Contact Material, Enzymes,Flavourings and Pro­cessing Aids (CEF) on the Sub­mission of a Dossier on Food Enzymes for Safety Eva­luation by the Sci­en­tific Panel of Food Contact Material, Enzymes, Fla­vou­rings and Pro­cessing Aids. The EFSA-​Journal 1305, 1–26 (2009) und EFSA Tech­nical Report of EFSA: Explanatory Note on the Gui­dance of the Sci­en­tific Panel of Food Contact Material, Enzymes, Fla­vou­rings and Pro­cessing Aids (CEF) on the Sub­mission of a Dossier on Food Enzymes. Sup­porting Publi­cation: 177, 18 (2011)

16) EFSA Panel on Gene­ti­cally Modified Orga­nisms (GMO): Gui­dance on the risk assessment of gene­ti­cally modified micro­or­ga­nisms and their pro­ducts intended for food and feed use. EFSA Journal 9(6), 2193 (2011)

17) Durch­füh­rungs­ver­ordnung (EU) Nr. 562/​2012 der Kom­mission vom 27. Juni 2012 zur Änderung der Ver­ordnung (EU) Nr. 234/​2011 der Kom­mission im Hin­blick auf spe­zi­fische Daten für die Risi­ko­be­wertung von Lebens­mit­tel­en­zymen. Amts­blatt L 168 21ff (2012)

18) Ver­ordnung (EU) Nr. 234/​2011 der Kom­mission vom 10. März 2011 zur Durch­führung der Ver­ordnung (EG) Nr. 1331/​2008 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates über ein ein­heit­liches Zulas­sungs­ver­fahren für Lebens­mit­tel­zu­satz­stoffe, ‑enzyme und ‑aromen. Amts­blatt L 64, 15ff (2011)

19) VERORDNUNG (EU) Nr. 1056/​2012 der Kom­mission vom 12. November 2012 zur Änderung der Ver­ordnung (EG) Nr. 1332/​2008 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates über Lebens­mit­tel­enzyme in Bezug auf Übergangsmaßnahmen- Amts­blatt L 313. 9ff (2012)

 

 

 

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