Jugendliche in Südeuropa: Zu wenig Bewegung

August 2014

Unter­schiede hin­sichtlich von Gesund­heits­pa­ra­metern zwi­schen Jugend­lichen aus süd- und nord- bzw. zen­tral­eu­ro­päi­schen Ländern sind weit ver­breitet. Die vor­lie­gende Studie ver­sucht, Gleich­altrige hin­sichtlich Fitness, Fett­lei­bigkeit und kar­dio­me­ta­bo­li­schen Risiken zu ver­gleichen, um her­aus­zu­finden, ob kör­per­liche Akti­vität und andere Fak­toren diese Unter­schiede erklären können.

Ortega FB, Ruiz JR, Labayen I et al.: Health Ine­qua­lities in Urban Ado­lescents: Role of Phy­sical Activity, Diet, and Genetics; Pediatrics 2014; 133: 1–12

Die Unter­su­chung war Teil der großen, von der EU geför­derten „Helena-​Studie“ (Healthy Life­style in Europe by Nut­rition in Ado­lescents). Es wurden 3.528 Pro­banden für die Studie her­an­ge­zogen. Es handelt sich um Jugend­liche im Alter von 12,5 und 17,5 Jahren, aus vier süd- und sechs nord- bzw. zen­tral­eu­ro­päi­schen Ländern.

Die phy­si­ka­lische Fitness wurde über mehrere Methoden bestimmt:

  • Kar­dio­re­spi­ra­to­rische Fitness: 20-Meter-Lauf
  • Mus­kuläre Fitness: Weit­sprung und Hanteltraining
  • Schnel­ligkeit: Vier mal 10-Meter-Lauf
  • Bestimmung der kör­per­lichen Akti­vität mittels Akze­l­e­ro­meter; die Pro­banden mussten diesen tagsüber tragen und damit wurde ihr Bewe­gungs­ver­halten ein­ge­schätzt: moderate Bewegung: >2.000 Schläge; starke Bewegung: >4.000 Schläge

Größe und Gewicht wurden gemessen und mittels Haut­fal­ten­dicke und BIA (Bio-​Impedanz-​Messung) wurde die Kör­per­zu­sam­men­setzung ana­ly­siert. BMI und Waist-​Hip-​Ratio wurden berechnet. Kar­dio­me­ta­bo­lische Risi­ko­fak­toren wurden eben­falls bestimmt. Über Blut­un­ter­su­chungen (nüchtern) wurden Gesamt­cho­le­sterin, HDL, LDL, Tri­gly­ceride und Blutzu­cker bestimmt. Daneben wurde auch der Blut­druck gemessen.

Zur Erfassung des sozio­öko­no­mi­schen Status wurden mittels Fra­ge­bögen die fami­liären Ver­hält­nisse ein­ge­schätzt. Erfragt wurden dabei Wohn­situation und „Sta­tus­symbole“ wie Auto, PC oder Internetzugang.

Das Ernäh­rungs­ver­halten wurde mittels 24-​Stunden-​Protokoll ermittelt (innerhalb von zwei Wochen an zwei nicht auf­ein­ander fol­genden Tagen). Die Ernährung wurde anschließend über eine Software anhand der Fak­toren Qua­lität, Vielfalt und Aus­ge­gli­chenheit bewertet.

Resultate

Jugend­liche aus süd­lichen Ländern schnitten im Ver­gleich zu jenen aus nord- bzw. zen­tral­eu­ro­päi­schen Ländern in allen Fitness-​Tests schlechter ab und hatten auch einen durch­schnittlich höheren Gehalt an gesamt- und abdo­mi­nalen Fett. Die Pro­banden aus den süd­lichen Ländern hatten aber nied­rigere Gesamtcholesterin- und Trigly­ceridwerte, jedoch schlechtere Werte für HDL-​Cholesterin und Blut­druck. Sie waren laut Fra­ge­bögen weniger aktiv und ver­brachten ihre Freizeit mehr mit sit­zenden Tätigkeiten.

Bezüglich der kar­dio­me­ta­bo­li­schen Fak­toren konnten keine ein­deu­tigen Unter­schiede fest­ge­stellt werden. Da auch keine Studien gefunden werden konnten, in denen kar­dio­me­ta­bo­lische Risi­ko­fak­toren berück­sichtigt wurden, konnte auch kein Ver­gleich mit bereits bestehenden Daten durch­ge­führt werden.

Bezüglich der Ernährung nahmen Jugend­liche aus den süd­lichen Ländern mehr qua­li­tativ hoch­wertige Lebens­mittel, und dabei weniger Energie zu sich. Außerdem zeigte sich bei Jugend­lichen mit höheren sozio­öko­no­mi­schen Status eine gesündere Ernährung und generell bessere Gesundheit.

Sowohl alle Pro­banden betreffend als auch Buben und Mädchen getrennt betrachtet, zeigte sich in süd­lichen Ländern eine signi­fikant höhere Prä­valenz für Über­ge­wicht und Adipositas.

Vier zentrale Erkenntnisse

·         Jugend­liche aus dem süd­lichen Europa sind weniger fit hin­sichtlich Mus­kel­stärke, Schnel­ligkeit und kar­dio­re­spi­ra­to­rische Fitness. Außerdem ist ihre Kör­per­fett­masse höher, sowohl das Gesamtfett als auch das abdo­minale Fett betreffend.

·         Es gibt derzeit unein­heit­liche Ergeb­nisse hin­sichtlich des kar­dio­me­ta­bo­li­schen Risikos.

·         Über die kör­per­liche Fitness können Unter­schiede hin­sichtlich Schnel­ligkeit und kar­dio­re­spi­ra­to­rische Fitness erklärt werden.

·         Es besteht in Süd­ländern ein höheres Risiko für Adi­po­sitas. Dies konnte auch nach Berück­sich­tigung von mög­lichen Ein­fluss­fak­toren (Alter, Geschlecht, Größe, sozio­öko­no­mische Fak­toren) bestätigt werden.

Conclusio

Jugend­liche aus süd­eu­ro­päi­schen Ländern sind generell weniger fit als Gleich­altrige aus Nord- bzw. Zen­tral­europa. Jugend­lichen aus dem Süden weisen generell ein nied­ri­geres Schnel­lig­keits­level sowie geringere kardiorespiratori­scher Fitness auf. Die Studie ergab keine signi­fi­kanten Unter­schiede bezüglich anderer kar­dio­me­ta­bo­li­scher Risi­ko­fak­toren, aller­dings erscheint es plau­sibel, dass Fitness und Fett­lei­bigkeit auch andere kardiometaboli­sche Risi­ko­fak­toren beein­flussen können. Aus diesem Grund sollten Bewe­gungs­freude und sport­liche Akti­vität von Kindern und Jugend­lichen in allen Ländern mehr gefördert werden.

ÖAIE 2014; Gat­ternig K, Widhalm K