Prädiabetes und sein Risiko

August 2014 | Easy Reading

Dia­betes gehört zu den zehn häu­figsten Todes­ur­sachen weltweit. Es wird ange­nommen, dass Dia­betes bis 2030 eine der fünf häu­figsten Erkran­kungen mit töd­lichem Ausgang in hoch ent­wi­ckelten Ländern sein wird. Daher ist es auch gesell­schaftlich sehr wichtig, dass die Prä­vention von Dia­betes inten­si­viert wird. 

 

Tabák AG, Herder C, Rathmann W, Brunner EJ, Kivimäki M: Pre­dia­betes: a high-​risk state for dia­betes deve­lo­pment; Lancet 2012; 379: 2279–2290

 

Präd­ia­betes ist das Früh­stadium von Dia­betes. Es wird defi­niert über eine Blut­zu­cker­kon­zen­tration über dem Nor­malwert, aber noch unter dem Schwel­lenwert von Dia­betes. Es gilt als großer Risi­ko­faktor für Dia­betes mel­litus; ca. 5 bis 10% der Betrof­fenen mit Präd­ia­betes ent­wi­ckeln in wei­terer Folge Dia­betes mel­litus. Die Prä­valenz steigt beständig. Wich­tigster Grund­stein der Behandlung von Präd­ia­betes, und der Prä­vention von Dia­betes mel­litus, ist eine gene­relle Lebensstilmodifikation. 

Die Dia­gno­se­kri­terien von Präd­ia­betes wurden im Laufe der Zeit immer wieder geändert. Laut WHO haben fol­gende Per­sonen ein hohes Diabetes-Risiko:

  • IFG (Nüch­tern­hy­per­gly­kämie) von über 6,1 bis 7,0mmol/L
  • IGT (ein­ge­schränkte Glu­ko­se­to­leranz) von unter 7,0mmol/L
  • Plas­ma­g­lukose (2 Stunden nach Auf­nahme von Glukose) von unter 7,8 bis 11,1mmol/L

Epidemiologie & Entwicklung

Die durch­schnitt­liche Blutglu­ko­se­kon­zen­tration nimmt in Indus­trie­staaten laufend zu. Dies führt gleich­zeitig zu einer deut­lichen Zunahme der Prä­valenz für (Prä)Diabetes. Etwa 5 bis 10% der Betrof­fenen mit Präd­ia­betes ent­wi­ckeln später Dia­betes mellitus.

Die Ent­wicklung von Dia­betes ist ein mehr­stu­figer Prozess:

1.Stufe: gekenn­zeichnet durch eine lange Periode von Insu­lin­re­sistenz und gestei­gerter Insu­lin­se­kretion bei zuneh­mender B‑Zell-​Masse.
2. Stufe: wird als „stabile Adap­ti­ons­phase“ gesehen. Die B‑Zellen können die stei­gende Insu­lin­re­sistenz nicht mehr voll­ständig aus­gleichen.
3. Stufe: die B‑Zellen ver­lieren die Fähigkeit, die Insu­lin­re­sistenz aus­zu­gleichen, völlig. Damit steigt die Glu­ko­se­kon­zen­tration unauf­haltsam an.

Uner­kannter oder unbe­han­delter Präd­ia­betes kann neben einem mani­festen Dia­betes auch zu schwer­wie­genden End­or­gan­schäden führen. Es besteht vor allem ein erhöhtes Risiko für Nephro­pathie und chro­nische Nie­ren­er­kran­kungen, auto­no­mische Neu­ro­pathie, Reti­no­pathie, und makrovas­kuläre Erkrankungen.

Prävention & Behandlung

Die Rückkehr zu nor­malen Glu­ko­se­werten ist relativ einfach durch eine grund­le­gende Ver­än­derung des Lebens­stils sowie, wenn nötig, eine zusätz­liche medi­ka­mentöse Behandlung zu erreichen.

Lebens­stil­in­ter­vention: Am effek­tivsten ist eine gene­relle Lebens­stil­mo­di­fi­kation. Pri­märes Ziel ist vor allem, die Prä­vention bzw. eine ver­zö­gerte Ent­wicklung eines mani­festen Dia­betes mel­litus. Erreicht werden soll dies in erster Linie durch eine Gewichts­nor­ma­li­sierung mit Kom­bi­nation aus Ernäh­rungs­op­ti­mierung und Stei­gerung der kör­per­lichen Akti­vität (ca. 150 Minuten pro Woche), als die zwei wich­tigsten ver­än­der­baren Risi­ko­fak­toren. Eine erfolg­reiche Lebens­stil­mo­di­fi­kation führt nach­weisbar zu einer verbes­serten Insu­lin­sen­si­ti­vität und B‑Zell-​Funktion.

Phar­ma­ko­lo­gische Inter­vention: Bezüglich der Medi­ka­mente ist in erster Linie Met­formin zu nennen. Der Einsatz ist vor allem bei hohem BMI und hohen Lipidkon­zen­tra­tionen sinnvoll. Das Risiko von Dia­betes mel­litus kann um bis zu 45% gesenkt werden. 

Andere Behand­lungs­me­thoden: Bei adi­pösen Pati­enten werden baria­trische Ein­griffe in Betracht gezogen. Diese können über eine deut­liche Gewichts­re­duktion zu einem Ver­mindern des Präd­ia­betes bzw. Diabetes-​Risikos führen. 

 

 

Conclusio

Die Früh­erkennung von Präd­ia­betes ist sehr wichtig, da neben einem erhöhten Risiko für Dia­betes auch ein hohes Risiko für End­or­gan­schäden besteht. Vor allem eine Lebens­stil­mo­di­fi­kation durch eine Kom­bi­nation von Ernährung und gestei­gerter kör­per­licher Akti­vität ist bedeutsam. Schon eine Ge­wichtsreduktion von etwa 7% kann zu einer deut­lichen Ver­bes­serung der Blut­zu­cker­kon­zen­tration und damit des Dia­be­tes­ri­sikos führen. Ähn­liche Effek­ti­vität zeigen Medi­ka­mente, wie z.B. Met­formin. Ziel ist es, das Risiko für Dia­betes auf lange Zeit zu reduzieren.

 

 

ÖAIE 2014; Gat­ternig K, Widhalm K

 

 

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