Fit für die Zukunft

Juni 2013 | Easy Reading

Der Verband der Ernäh­rungs­wis­sen­schafter Öster­reichs (VEÖ) hat seit 2012 einen neuen Vor­stand mit Mag. Ursula Umfahrer-​Pirker als 1. Vor­sit­zenden. Ein Gespräch über Ziele, Pläne und Visionen für die kom­menden Jahre und über die Funk­ti­ons­pe­riode hinaus.

JEM Es gibt immer mehr Ernäh­rungs­in­for­ma­tionen und trotzdem immer mehr Probleme …

Mag. Umfahrer-​Pirker: Die Flut an Ernäh­rungs­in­for­ma­tionen ist ja schon ein Teil des Pro­blems. Es kur­sieren sehr viele unter­schied­liche und wider­sprüch­liche Aus­sagen zu allen Aspekten der Ernährung. Und diese kommen zu einem beträcht­lichen Teil auch noch von unqua­li­fi­zierten, selbst­er­nannten „Ernäh­rungs­be­ratern“ ohne seriöse Aus­bildung oder Gewer­be­be­rech­tigung. Das ist sicher einer der Gründe für die Ori­en­tie­rungs­lo­sigkeit bei den Endverbrauchern.

JEM Können sich seriöse Experten da durchsetzen?

Ich denke, lang­fristig wird das schon gelingen. Man muss dabei viel­schichtig vor­gehen, ziel­grup­pen­spe­zi­fisch und unter Zuhil­fe­nahme ver­schie­dener „Trans­port­mittel“. Man muss auf ver­schie­denen Ebenen ansetzen – zum Bei­spiel von Kindern bis zu Pen­sio­nisten, von der Lebens­mit­tel­ent­wicklung bis zur betrieb­lichen Gesund­heits­för­derung, von wis­sen­schaft­lichen Arbeiten bis zum Gesundheitsjournalismus.

JEM Es heißt, dass sich vor allem jene für gesunde Ernährung inter­es­sieren, die ohnehin schon gesund leben.

Dabei handelt es sich natürlich auch um ein soziales Problem und sicher auch um eine Genera­tio­nen­frage. Den meisten Jugend­lichen ist es egal, was sie essen. Wenn man jetzt in den Kin­der­gärten beginnt, Bewusstsein für Ernährung zu schaffen, werden wir viel­leicht in 15 Jahren junge Erwachsene haben, die sich mit dem Thema auskennen.

JEM Was sind die Stärken der Ernäh­rungs­wis­sen­schafter abge­sehen von ihrem Fachwissen?

Ich glaube, dass wir durch unser Studium in der Lage sind, breit gefä­chert zu denken, kom­plexe Themen gut abzu­handeln und viele Aspekte zu berück­sich­tigen. Die Viel­sei­tigkeit der Ernäh­rungs­wis­sen­schaft spiegelt sich auch in den zahl­reichen Tätig­keits­be­reichen. Die indi­vi­duelle Ernäh­rungs­be­ratung ist dabei nur ein Teil, wir sind auch in Gesund­heits­för­derung, Lebens­mit­tel­pro­duktion, Wis­sen­schaft und Ernäh­rungs­in­for­mation tätig.

JEM Ist derzeit ein bestimmter Trend auszumachen?

Bei der betrieb­lichen Gesund­heits­för­derung tut sich sehr viel, wobei meist auch die Ernährung ein­be­zogen wird. Das können Schu­lungen, Ernäh­rungstage oder Ein­zel­be­ra­tungen für die Mit­ar­beiter sein. In der Gemein­schafts­ver­pflegung haben Ernäh­rungs­wis­sen­schafter mitt­ler­weile einen festen Platz. Fast alle großen Anbieter nehmen ihre Expertise in Anspruch.

JEM Hat sich das Ernäh­rungs­in­teresse in letzter Zeit verändert?

Auf alle Fälle. Vor einigen Jahren wurde vor allem gefragt, ob ein bestimmtes Nah­rungs­mittel dick mache oder nicht. Heute stehen eher Her­kunft, Inhalts­stoffe usw. im Vordergrund.

JEM In welche Richtung wird sich der VEÖ entwickeln?

Wir wollen weiter daran arbeiten, den VEÖ zu stärken und fit für die Zukunft zu machen. Das bedeutet unter anderem, dass wir uns den sich ver­än­dernden Rah­men­be­din­gungen anpassen müssen. Eines unserer nächsten Ziele ist, einen stär­keren Ver­net­zungsgrad innerhalb der Berufs­gruppe und mit anderen Pro­fes­sionen wie Ärzten zu erreichen. Ich halte das für sehr wichtig. Wir sind quasi Spe­zia­listen für Prä­vention. Wir können die Aufklärungs- und Infor­ma­ti­ons­arbeit in Form von Vor­trägen, klei­neren Events oder Schu­lungen übernehmen.

JEM Wie sehen da die prak­ti­schen Erfah­rungen aus?

Wir haben fest­ge­stellt, dass der Erfolg sehr von der Ordi­na­ti­ons­as­sistenz abhängt. Wenn die Pati­enten aktiv ange­sprochen und zur Teil­nahme an einer Ver­an­staltung ani­miert werden, dann kommen die Leute meist auch. Einen kleinen Unkos­ten­beitrag schon im Vor­hinein ein­zu­heben, erweist sich dabei als recht effektive zusätz­liche Moti­vation. Im Grund ist die Koope­ration mit Ärzten ja schon klas­sisch, ebenso mit Apo­theken oder anderen Gesund­heits­be­rufen. Auch Sport und Ernährung gehen Hand in Hand.

JEM Was liegt Ihnen per­sönlich am Herzen?

Mir liegt unter anderem daran, junge Kol­le­ginnen und Kol­legen zu unter­stützen, das erworbene Wissen sinnvoll umzu­setzen. Alles in allem geht es mir darum, einen Beitrag zu leisten, damit in Öster­reich die Trend­wende in Richtung gesündere Ernährung gelingt. Meine Vision ist, dass Ernäh­rungs­wis­sen­schafter ganz selbst­ver­ständlich kon­sul­tiert werden, wenn es um Ernährung geht. Die Ent­wicklung geht ja schon in diese Richtung, in den ver­gan­genen Jahr­zehnten hat sich sehr viel getan.

JEM Was moti­viert Sie zur ehren­amt­lichen Verbandsarbeit?

Es ent­spricht einfach meiner Ver­an­lagung, mich für Ent­wick­lungen ein­zu­setzen und Dinge ins Rollen zu bringen – ob im Stu­den­tenheim, als Berufs­grup­pen­spre­cherin in der Wirt­schafts­kammer oder eben jetzt im VEÖ. Das ist jetzt meine zweite Periode im Vor­stand, dass ich Vor­sit­zende geworden bin, geht auf eine gemeinsame Ent­scheidung zurück.

JEM Was sie bewogen, Ernäh­rungs­wis­sen­schaft zu stu­dieren? Kochen Sie gerne?

Durchaus. Das Thema Ernährung hat mich aber immer schon auch darüber hinaus inter­es­siert. Ich wollte nie etwas anderes stu­dieren. Also habe ich das damals noch als Irre­gulare geführte Studium gemacht – aller gut gemeinten Rat­schläge, ich solle etwas „G’scheites“ lernen, zum Trotz.

JEM Herz­lichen Dank für das Gespräch.

Autor: K. Gruber

„Bio-​Box“ des VEÖ

  • Wurde 1991 geboren bzw. gegründet
  • Ist eine Berufs­grup­pen­ver­tretung: Ver­tretung und För­derung der Mitglieder
  • Fun­giert als Plattform für Infor­mation und Mei­nungs­aus­tausch zum Thema Ernährung
  • Ist keine wis­sen­schaft­liche Fach­ge­sell­schaft, aber der Wis­sen­schaft verpflichtet
  • Hat rund 750 Mitglieder
  • Kontakt: Grundl­gasse 5/​8, 1090 Wien, Tel 01 333 39 81, veoe@veoe.orgwww.veoe.org

2. Vor­sit­zende: Mag. Sonja Reiselhuber-Schmölzer

Ein Berufs­verband lebt von seinen Mit­gliedern und braucht inter­es­sierte und aktive Kol­le­gInnen, die hinter ihm stehen. Eine aktive Infor­ma­ti­ons­po­litik und ein ver­mehrter Kontakt zu den VEÖ-​Mitgliedern sind mir daher ein großes Anliegen. Berufs­po­li­ti­scher Spirit ist die Grundlage für berufs­po­li­ti­schen Erfolg. Die Durch­läs­sigkeit der Aus­bil­dungen zwi­schen Ernäh­rungs­wis­sen­schaft und Diä­to­logie war ein erster wich­tiger Schritt – weitere sind erfor­derlich, um eine zufrie­den­stel­lende Situation für uns Ernäh­rungs­wis­sen­schaf­te­rInnen zu erzielen.

1. Schrift­füh­rerin: Mag. Vik­toria Scherrer

„Ernährungs-​Was?“ Das war lange Zeit die übliche Reaktion auf meine Stu­di­enwahl. Dass Ernäh­rungs­wiss­sen­schafter nun bekannt und gefragt sind, ist zu einem Gutteil Ver­dienst des VEÖ. Diese Ent­wicklung möchte ich weiter mit vor­an­treiben. Ein beson­deres Anliegen ist mir, seriöse Ernäh­rungs­ex­perten in den Medien zu etablieren.

2. Schrift­führer: Dr. Manuel Schätzer

Gemeinsam lassen sich Berge ver­setzen. Eine starke und enga­gierte Inter­es­sens­ver­tretung war immer schon eine ent­schei­dende Größe in der Eta­blierung einer Fach­richtung. Ich will als Vor­stands­mit­glied dazu bei­tragen, dass die Stellung der Berufs­gruppe noch weiter gestärkt wird.

1. Kassier: Mag. Andreas Schmölzer

Seit drei Vor­stands­pe­rioden gestalte ich die Arbeit des VEÖ maß­geblich mit. Klare Ziele und Ergeb­nisse für die Berufs­gruppe der Ernäh­rungs­wis­sen­schaf­te­rInnen, die berufs­po­li­tische Absi­cherung und Aus­weitung der beruf­lichen Mög­lich­keiten sowie die För­derung der Akzeptanz und Ver­wur­zelung unserer Berufs­gruppe stellen meine Ziele als VEÖ-​Vorstandsmitglied dar.

2. Kassier: Dr. Birgit Wild

Durch meine Tätigkeit im Stu­di­engang „Ange­wandte Ernäh­rungs­wis­sen­schaften“ an der UMIT in Hall bin ich sehr inter­es­siert, mich berufs­po­li­tisch zu enga­gieren. Ich werde mich für die Zusam­men­arbeit zwi­schen Universität-​Wirtschaft- Medizin und öffent­lichem Dienst ein­setzen. Im Sinne unserer Absol­venten müssen wir den Beruf von Ernäh­rungs­wis­sen­schaftern stärker eta­blieren und ihr Ein­satz­gebiet nach außen ver­treten. Es gibt noch viele Tätig­keits­be­reiche, in denen die Ernäh­rungs­kom­petenz fehlt.