Ernährung, Abwehrkräfte & Nahrungsergänzungsmittel

April 2013 | Easy Reading

Die Saison ist eröffnet!

Im Herbst und Winter haben Nah­rungs­er­gän­zungs­mittel „Saison“ und werden vor­wiegend aus Motiven der Vor­beugung vor Erkäl­tungen, zur Stärkung des Immun­systems usw. kon­su­miert. Die Gründe hiefür sind bis zu einem gewissen Grad psy­cho­lo­gi­scher Natur. Freilich wird das Gebiet der Nah­rungs­er­gän­zungs­mittel intensiv beforscht und es gibt auch durchaus einiges Neues zu ver­melden.

„Kör­per­liche Gesund­erhaltung“ und „Erkältung/​Erkältungsvorbeugung“ wurden in einer Umfrage als die zwei häu­figsten Anwen­dungs­be­reiche von Nah­rungs­er­gän­zungs­mitteln genannt, die Dr. Mark Lohmann vom deut­schen Bun­des­in­stitut für Risi­ko­for­schung heuer bei einem Vortrag in der AGES prä­sen­tierte. Da nimmt es nicht Wunder, wenn der Absatz von Nah­rungs­er­gän­zungs­mitteln im Herbst und Winter „ein deut­liches Hoch“ erfährt, wie Mag. Marlies Gruber vom forum.ernährung ver­meldet, wobei Kalzium und Vitamin C ganz oben auf der Liste ran­gieren. In der Folge neue Ergeb­nisse und Ver­öf­fent­li­chungen zu einigen Aspekten dieses The­men­kreises.

Kalzium

Wiewohl die Bedeutung von Kalzium zur Prä­vention der Osteo­porose unbe­stritten ist, so ist die Zufuhr über Sup­ple­mente offenbar nicht unkri­tisch zu beur­teilen. Wis­sen­schafter des Krebs­for­schungs­zen­trums in Hei­delberg haben kürzlich nämlich die Ergeb­nisse einer Studie ver­öf­fent­licht (Heart 2012;98(12):920), der zufolge die Ein­nahme von Kalzium-​Supplementen mit einem erhöhten Herzinfarkt-​Risiko asso­ziiert sein könnte. Bei einer erhöhten Auf­nahme von Kalzium über die Ernährung wurde ein solcher Effekt nicht beob­achtet.

Vitamin D

Vor allem Vitamin D hat sich in letzter Zeit als Man­gel­vitamin auch in Europa her­aus­ge­stellt. Abge­sehen von den bekannten nega­tiven Folgen eines Mangels für den Kno­chen­aufbau sind in den ver­gan­genen Jahren mög­liche negative Effekte eines Vitamin-​D-​Mangels auf das Immun­system, die Ent­wicklung von Herz-​Kreislauf-​Erkrankungen und Krebs­er­kran­kungen beschrieben worden. Besonders betroffen davon sind Ältere und dabei vor allem Per­sonen mit einem bewe­gungs­ein­ge­schränkten Lebensstil mit wenig Son­nen­ex­po­sition. Die Deutsche Gesell­schaft für Ger­iatrie (DGG) emp­fiehlt daher für Per­sonen ab 60 Jahren ein täg­liche Zufuhr von 800 IE Vitamin D als Nah­rungs­er­gänzung. Auch die Deutsche Gesell­schaft für Ernährung emp­fiehlt seit kurzem die Ein­nahme von Vitamin D.

„Eine gesunde Ernährung reicht nicht aus, um den Bedarf älterer Men­schen mit Vitamin D zu decken“, unter­streicht der künftige Prä­sident der DGG Univ.-Prof. Dr. Ralf-​Joachim Schulz aus Köln. Auch die Haut könne im Alter nicht mehr genug wichtige Vor­stufen des aktiven Wirk­stoffes bilden, um den Bedarf zu decken. Die Fähigkeit der Haut zur Vitamin-​D-​Bildung nehme im Alter gegenüber einem 20-​Jährigen um den Faktor vier ab. Der Ernäh­rungs­ex­perte ver­weist auf eigene Studien, wonach nur rund drei Prozent der Pati­enten, die in die ger­ia­trische Abteilung eines Kran­ken­hauses kommen, aus­rei­chende Vitamin-​D-​Spiegel haben. „Regel­mäßig Vitamin‑D ein­zu­nehmen ist eine kos­ten­günstige und effektive Maß­nahme, um seine Gesundheit im Alter zu erhalten“, lautet sein Resümee.

In einer Über­sichts­studie hat Univ.-Prof. Dr. Heike Annette Bischoff-​Ferrari vom Zentrum Alter und Mobi­lität der Uni­ver­sität Zürich und Stadt­spital Waid die Daten von acht Dop­pel­blind­studien bezüglich Stürzen und zwölf Studien bezüglich Kno­chen­brüchen aus­ge­wertet (N Engl J Med 2012;367(1):40). Die Ergeb­nisse zeigen, dass Pati­enten, die 700 bis 1000 Inter­na­tionale Ein­heiten Vitamin D ein­nehmen, 34 Prozent sel­tener stürzen und 20 Prozent weniger Kno­chen­brüche erleiden. Andere Studien bestä­tigen, dass alte Men­schen die Vitamin‑D ein­nehmen, sicherer gehen, sel­tener stürzen und weniger Kno­chen­brüche erleiden.

Dauerbrenner Multivitamine

Wer, wann, wie viel – diese Fragen in Bezug auf Mul­ti­vit­amin­prä­parate zählen zu den Dau­er­brennern in den Dis­kus­sionen. Einen neueren Beitrag dazu liefern Michale Gaziano vom Brigham and Women’s Hos­pital in Bosten und Kol­legen mit einer wei­teren Aus­wertung von Daten aus der Physician’s Health Study II (JAMA 2012;308(18):1871). Die­je­nigen, die elf Jahr lang täglich Vit­amine und Mine­ral­stoffe in Form eines han­dels­üb­lichen Nah­rungs­er­gän­zungs­mittels ein­ge­nommen hatten, wiesen ein um acht Prozent gerin­geres Gesamt­risiko für Krebs­er­kran­kungen auf als die Pla­ze­bo­gruppe. Unbe­ein­flusst blieben Krebs­formen wie Pro­sta­ta­krebs und Dick­darm­krebs. Auch die Mor­ta­lität auf­grund von Krebs­er­kran­kungen wurde nicht beein­flusst. Alles in allem könne das Gesamt­risiko für Krebs­er­kran­kungen durch die täg­liche ergän­zende Ein­nahme von Vitamin- und Mine­ral­stoff­prä­pa­raten in einem beschei­denen, aber signi­fi­kanten Ausmaß redu­ziert werden, schließen die Autoren. Inter­essant erscheint dabei der Aspekt, dass der Anteil der Pro­banden mit einem gesund­heits­be­wussten Lebensstil über­durch­schnittlich hoch war. Damit könnte die Gabe von Mul­ti­vit­aminen auch zusätzlich zu einer aus­ge­wo­genen Ernährung und aus­rei­chend Bewegung positive Effekte ent­falten.

Omega-​3-​Fettsäuren & Immunzellen

Die Ergeb­nisse einer Unter­su­chung von Dr. Janice Kiecolt-​Glaser von der Ohio State Uni­versity und Kol­legen legen nahe, dass sup­ple­men­tierte Omega-​3-​Fettsäuren einen güns­tigen Ein­fluss auf den Alte­rungs­prozess haben und zwar unter anderem über die Modu­lation von Immun­zellen. Bei der vier­mo­na­tigen dop­pel­blind geführten Studie wurde die Länge von Telo­meren gemessen, die als ein Maß für das Fort­schreiten des Alte­rungs­pro­zesses gilt. Omega-​3-​Fettsäuren sind offenbar im Stande, die Ver­kürzung der Telomere hintan zu halten und damit den betref­fenden Zellen eine längere Lebens­dauer zu bescheren. Neben der län­geren Lebens­dauer von Telo­meren in Immun­zellen wurde in Ver­bindung mit der Ein­nahme von Omega-​3-​Fettsäuren auch ein gerin­gerer oxi­da­tiver Stress beob­achtet.

Ein Review aus­tra­li­scher Wis­sen­schafter wie­derum beschäf­tigte sich mit dem Zusam­menhang von sup­ple­men­tierten Mikro­nähr­stoffen und Omega-​3-​Fettsäuren auf die kognitive Leis­tungs­fä­higkeit, Lern­ver­mögen und Ver­halten von Kindern und Jugend­lichen in hoch­ent­wi­ckelten Ländern (Nutr Rev 2012;70(10):594). Hin­weisen zufolge werden ver­schiedene kognitive Leis­tungen ver­bessert, wobei die Omega-​3-​Fettsäuren nicht den aus­schlag­ge­benden Faktor dar­stellen. Eine der­artige Sup­ple­men­tierung dürfte vor allem Kindern aus Familien mit einem schwachen sozio­öko­no­mi­schen Status, Kindern mit Auf­merk­sam­keits­de­fizit und Lern­stö­rungen zu Gute kommen.

Ernährung & Immunsystem reloaded

  • Fünf Por­tionen Gemüse und Obst über den Tag ver­teilt
  • „Immun­sti­mu­lie­rende“ Nähr­stoffe wie Vitamin A, C, E und B6
    • Vitamin A liefern vor allem Lebens­mittel tie­ri­scher Her­kunft wie Fisch, Leber, Milch, Butter, Käse; Beta-​Carotin finden sich u. a. in Karotten, Spinat, Grünkohl, Bohnen, Bananen und Voll­korn­pro­dukten.
    • Vitamin C: Eine Kiwi und eine Portion Brokkoli decken den täg­lichen Durch­schnitts­bedarf
    • Vitamin E kommt in z. B. in Wei­zen­keimen, Pflan­zenölen, Voll­korn­ge­treide, Nüssen und Soja vor.
    • Vitamin B6 ist in grö­ßeren Mengen in Fisch, Hühner- und Schwei­ne­fleisch, Linsen, gründen, Bohnen und Voll­korn­pro­dukten zu finden.
  • Kalzium für einen Tag ent­halten z. B.: ein Becher Joghurt + 200 ml Milch + eine Scheibe Emmen­taler + 200 g Brokkoli oder ein Liter Mine­ral­wasser mit ca. 150 mg Kalzium
  • Vitamin D ist vor allem in fettem Fisch (z.B. Hering), Leber, ange­rei­cherter Mar­garine, Eigelb und einigen Spei­se­pilzen ent­halten.

Quelle: forum.ernährung heute

Red.